"Willkommen im neuen Heim, Baakir!" Das Jahr 2009 hatte begonnen und unser Wunsch, einen Hund zu haben wurde zunehmend größer. Marko und ich, wir waren beide mit Hunden aufgewachsen. Für ihn waren die Schäferhunde Astor (wurde 12,5 Jahre) und Falko (wurde etwa 11 Jahre) prägend, für mich fast 17 Jahre lang die Labrador-Cockerspaniel-Mischlingshündin Tapsy. Es gab zwar danach noch immer Hunde um uns herum, mit denen wir Zeit verbringen und spazieren gehen konnten, aber so richtig eigene Hunde, zu denen man eine intensive Nähe und Vertrauensbasis aufbauen konnte, waren da nicht. Das wollten wir auch nicht, denn wir wollten beide erst einmal zusammenziehen und ein eigenes, konstantes Heim haben, ehe wir uns einen neuen Hund zulegen. Seit November 2008 wohnen wir zusammen in einer 3-Zimmer-Wohnung mit direkter Waldnähe. Erst hatten wir an Sommer gedacht, um einen Hund zu holen. Dann haben wir es auf Frühling vorgezogen. Aber tatsächlich hielten wir schon im Januar immer öfter Ausschau nach Hunden. Marko meinte Mitte Januar, ab sofort sei er bereit für einen Hund. Ich wollte mir noch ein-zwei Wochen Zeit geben, bevor ich mit der aktiven Suche begann. Dabei war uns beiden völlig egal, wonach wir suchten. Ein erwachsener Hund oder ein Welpe? Eine Hündin oder einen Rüden? Welche Rasse und Farbe, oder gar einen Mischling? Wichtig war uns, zuerst Tierheime und Anzeigen abzugrasen, um eventuell einen Hund "retten" zu können. Ein reinrassiger Welpe hatte eher geringe Priorität. Am 17. Januar reichte meine Freundin Eve mir beim Schlittschuhlaufen einen Schnipsel mit einer Handynummer und sagte: "Hier, Du suchst doch einen Hund. Da suchen Leute ein neues Heim für einen erwachsenen Dalmatiner." Das ging schnell! Ich informierte ganz aufgeregt Marko und am Tag darauf fuhren wir nachmittags vorbei. Baakir-Ben ist ein Dalmatiner mit bestem Stammbaum, kerngesund, fast 7 Jahre alt, ausgesprochen lieb, aufgeschlossen und recht gut erzogen. Warum möchte jemand so einen Hund abgeben? Aus Zeitmangel, wie sich herausstellte. Seine Familie hatte lange mit sich gehadert, aber schließlich beschlossen, dass er ein neues Zuhause brauchte. Jemanden, der ihn nicht ganz so lange und oft allein lassen muss und ihn mehr bewegen kann. Das entsprach irgendwie unserem Profil. Marko arbeitet im Schichtdienst und unsere Abwesenheit von daheim wäre demnach selten zeitgleich. Zudem geht er regelmäßig joggen und ich stundenlang im Wald spazieren. Wir waren uns schnell einig, dass wir Baakir zu uns nehmen würden. Und auch seine bisherige Familie hatte dabei ein gutes Gefühl. Wir hatten eigentlich vor, ihn über einen Zeitraum von etwa zwei Wochen öfter mal mit zu uns zu nehmen und mit ihm draußen zu sein. Für seine Familie war ein Schnitt aber erträglicher, und so gingen wir nur einmal mit ihm bei uns spazieren, zeigten ihm sein neues Heim, brachten ihn wieder zurück und holten ihn zwei Tage später, am 21. Januar, zu uns. Manchmal ändern sich die Dinge überraschend schnell. Da wir beide überhaupt keine Erfahrung damit hatten, wie man einen erwachsenen Hund übernimmt, waren wir ein wenig unsicher, was zu beachten sei. Ich telefonierte mit einer Bekannten, die ein halbes Jahr zuvor eine 4-jährige Hündin zu sich geholt hatte. Sie empfahl mir das Buch der "Hundeflüsterin" Jan Fennell und gab mir die vier wichtigsten Tipps mit:
Sonntag, 18. Januar 2009 Das erste Treffen. Wir gehen eine kleine Runde mit Baakir und seinen Besitzern spazieren und erzählen uns, wer wir jeweils sind und was wir erwarten und hoffen. Dann geht's nach Hause. Alle sollen mal drüber nachdenken. Marko und ich rufen abends an und bekunden unser Interesse. Wir verabreden uns für den nächsten Tag. | ||
Montag, 19. Januar 2009 Ich hole Baakir mit dem Auto ab. Wir wollen testen, ob er freiwillig mit uns im Auto mitfährt, überhaupt mit uns mitkommt, ob er auf uns reagiert. Außerdem wollen wir ihm die Gegend und die Wohnung zeigen, damit er sich beim nächsten Mal wieder erkennt. Im Auto verhält er sich artig, fiept aber viel. Beim Spaziergang läuft er interessiert an der Leine, hört recht gut. Viele Kommandos kennt er schon, manche führt er in Perfektion aus, andere nicht. Insgesamt ist er sehr aufmerksam und lernwillig. Die Wohnung inspiziert er aufgeregt. Zur Ruhe kommt er verständlicherweise nicht, weil er weder gewohnte Gerüche noch einen richtigen Liegeplatz vorfindet. Er beginnt seine Rangposition auszutesten, indem er immer wieder an uns hochklettert. Ich muss mich nach über einem Jahr ohne Hund offensichtlich erstmal wieder dran gewöhnen, wie man sich als Ranghöherer verhält und durchsetzt. Aber ich bemerke Fortschritte bei mir und so auch bei Baakir, der realisiert, dass er sich nicht alles erlauben darf. Wir bringen ihn wieder nach Hause. Er rennt fröhlich zu seinen Leuten, kommt beim Gespräch aber auch immer wieder zu uns und testet uns von neuem. Als wir aufbrechen, folgt er uns zur Tür. Für Marko und mich ist das ein gutes Zeichen. |
![]() Der erste Besuch |
|
Mittwoch, 21. Januar 2009 Marko hat sich heute, morgen und übermorgen freigenommen, um gemeinsam mit mir Baakir einzugewöhnen. Wir haben telefonisch vereinbart, Baakir um 18 Uhr abzuholen. Als wir bei ihm ankommen, begrüßt er uns fröhlich. Das Herrchen fährt uns hinterher, um einige seiner Sachen zu transportieren und sich bei uns nochmal umzusehen. Baakir läuft heute schon viel selbstsicherer und ausgeglichener auf die Wohnung zu. Auch in der Wohnung ist er nicht mehr so aufgeregt. Wir geben seinem Korb einen Platz und stellen seine Näpfe auf. Das Herrchen nimmt Abschied und wir brechen zum Spaziergang auf. Baakir hört gut, ist aber sichtlich aufgeregt, weil es wieder viel Neues zu entdecken gibt. Wir üben mit ihm, das Herankommen und das Bei-Fuß-Gehen. Es klappt immer besser. Auf dem etwa einstündigen Spaziergang machen wir einen kurzen Stopp bei meinen Eltern. Die freuen sich, ihn kennenzulernen, sind aber ganz offensichtlich auch schon zu lange ohne Hund. Nachdem Baakir sie freudig begrüßt hat, fängt er nämlich an, auch bei ihnen seine Rangposition zu testen. Meine Eltern sind etwas unsicher, wie sie sich verhalten sollen, um ihm zu zeigen, dass er unter ihnen steht. Sie werden es auch erst wieder lernen müssen, so wie ich. Da Baakir also nicht aufhört, zu testen, greife ich ein und lasse ihn "Platz" machen. Er legt sich also hinter mich hin. Ich stehe mit dem Rücken zu ihm und mit dem Gesicht zu meinen Eltern und Marko. Ich erzähle etwas und … ignoriere dabei Baakir. Und in dem Moment hab ich verstanden, was mit dem Tipp "Ignorier den Hund." gemeint ist: Wenn er Scheibe spielt, ermahne ich ihn, lege ihn an einem Ort ab, wende mich ab und ignoriere ihn. So lernt er, dass er nicht im Mittelpunkt steht und sein übertriebenes Verhalten weder geduldet noch beachtet wird. Baakir versucht zwei-dreimal das Kommando selbst aufzuheben und steht wieder auf. Ich weise ihn zurück: "Platz und bleib." Dann bleibt er schließlich circa fünf Minuten still liegen. Beim Gehen – wie beim Kommen – gehen wir stets zuerst durch die Tür. Der Rückweg zu unserer Wohnung verläuft harmonisch. Baakir ist gewohnt nach dem Spaziergang sein Fressen zu bekommen, das behalten wir erstmal bei. Eventuell ändern wir es ab, wenn er eingewöhnt ist. Nach dem Fressen fängt er wieder an, uns zu testen. Er schleift seine Decke aus dem Korb, schleudert sie umher und knabbert dran herum. Zuerst lassen wir ihn knabbern, weil wir denken, es ist ne Art Frustreaktion und solange er seine Decke anknabbert, knabbert er nicht unsere Dinge an … Nach kurzer Zeit beschließe ich dann aber, dass das keine optimale Lösung ist. Ich nehme ihm die Decke ab, lege sie in den Korb, lass ihn drauf Platz machen und ermahne ihn, wenn er dran knabbert. Er hört auf damit, fängt aber an zu winseln. Ich ignoriere ihn. Er wird ruhig und schlummert ein wenig. Ich verlasse den Raum und die Situation wiederholt sich bei Marko. Offensichtlich testet Baakir uns immer wieder. Er wird aber dennoch ruhiger. Marko beschließt, noch eine Runde mit ihm joggen zu gehen. Er soll noch ein bisschen mehr gefordert werden, damit er erschöpft ist und auch besser schläft. Ich fahre mit dem Fahrrad nebenher. Das Joggen strengt Marko mehr an als Baakir, weil der nicht mal in den Galopp überfällt. Dalmatiner wurden – wie ich gelesen – gezüchtet, um neben Postkutschen als Wach- und Schutzhunde herzulaufen. Das heißt, sie mussten mit Pferdegalopp Schritthalten können. Logisch, dass menschliches Jogging für Baakir keine wirkliche Geschwindigkeitsherausforderung darstellt. Dennoch ist es aber Bewegung, die er so ja nicht gewohnt war vorher. Und als wir wieder daheim sind, wird die Nacht auch erstaunlich ruhig. Sein Korb steht zwar im Wohnzimmer, aber wir haben ihm auch eine Decke bei uns im Schlafzimmer hingelegt und die Tür nur angelehnt. Ich hab schon erwartet, dass er zu uns kommen wird, wenn er merkt, dass er im Wohnzimmer allein ist. Und so war es dann auch. Dass er nicht aufs Bett darf, weiß er schon, und testet er bei uns zum Glück nicht mal. Er legt sich friedlich auf die Decke und wacht. Als wir das Licht ausmachen, winselt er ein wenig. Dann schlafen wir alle ein … Ich wache zwei-dreimal nachts auf und sage scharf "Baakir" in meinem Halbschlaf. Aber jedesmal fällt mir auf, dass er garnichts gemacht hatte und ich nur den Tag verarbeitete. Baakir hebt dann immer den Kopf und kuckt ein bisschen verwirrt. Die Nacht verläuft wirklich erstaunlich ruhig. Er winselt nicht, er versucht nicht, rauszukommen aus unserer Wohnung. Baakir liegt bei uns im Raum auf seiner Decke und schläft. Donnerstag, 22. Januar 2009 Gegen 7 Uhr wacht Marko auf. Baakir ist leise und kuckt zu uns. Marko und ich tauschen uns fröhlich aus, wie gut die Nacht verlaufen ist. Wir können das kaum glauben. Baakir ist gewohnt, um diese Zeit seine erste kleine Runde zu drehen. Marko will ihn gleich nochmal ein bisschen fordern und mit ihm im Wald joggen. Als es dämmert, brechen die beiden auf. Und ich beginne das Tagebuch. 8:15 Uhr. Marko und Baakir sind wieder da. Marko kommt zuerst rein und wird zuerst von mir begrüßt. Dann Baakir. Ich glaube, es ist für sich genommen vielleicht kein ausschlaggebendes Ritual, aber ein Teil von einem generellen Verhalten, dass ihm zeigt, dass wir die Rudelführer sind. Marko erzählt, dass Baakir sich schlecht benommen hat, als er auf andere Hunde traf. Er hat an der Leine rumgezerrt und gebellt, Scheibe gespielt einfach und ließ sich nur mit wiederholter Ermahnung beruhigen. Das wird also noch eine Weile dauern. Der Plan ist, ihn irgendwann mal von der Leine abzumachen, weil er dann vielleicht besser auf andere Hunde reagiert. Dazu muss er uns aber unbedingter als Rudelführer anerkennen und auf Ruf zurückkommen. Wir fahren mit Baakir zur Autowerkstatt und laufen von dort etwa 40 Minuten im Eilschritt quer durch den Ort (Am Strandbad läuft er kurz frei über den Parkplatz, und kommt auch wieder ran, auf Zuruf. Am See treffen wir die Hündin Araike, ohne Leine verhält Baakir sich friedlich interessiert.) zum Tierarzt. Baakir soll vorgestellt werden. Er braucht ne Impfung und außerdem hat er sich gestern zu oft mit dem Kopf am Teppich geschubbert. Wir vermuten, er hat ne Mittelohrentzündung. Der Tierarzt bestätigt das. Es ist auf dem rechten Ohr eine mittlere Entzündung vorhanden. Das Ohrspülen und Creme einbringen gefällt ihm nicht. Wir sind erleichtert, dass er nicht knurrt oder schnappt. Aber genügsam lässt sich dennoch nicht behandeln. Er zieht seinen Kopf ständig weg und zappelt rum. Aber es ist bald erledigt. Ansonsten bescheinigt ihm der Arzt eine gute Gesundheit und gesunde Zähne. Das freut. Die Impfung wird aufgrund der Mittelohrentzündung auf nächste Woche verschoben. Geschafft, wir laufen gemütlich nach Hause und halten auf dem Weg beim Fleischer und Supermarkt. Mal bleibt Marko bei ihm, mal ich. Er soll sich an das Einkaufen mit uns erstmal gewöhnen. Dann sind wir daheim. Er ist schon ein bisschen knülle. Am Nachmittag steht wieder was auf dem Programm. Wir holen mein Auto ab, stellen Baakir meiner Schwester vor. Meinen Eltern gegenüber ist er schon wesentlich ruhiger. Seine Dominierungsversuche reduziert er zum Glück schon. Wir fahren in den Nachbarort, um noch etwas zu kaufen und schauen auch im Tierladen rein. Wir kaufen für Baakir ein Brustgeschirr, damit ihm beim Joggen das Halsband nicht würgt. Das Teil kann man mit einem Zwischenstück auch als Anschnallmöglichkeit im Auto verwenden. Finden wir praktisch. Außerdem bekommt Baakir noch ein Spielseil und eine Fellbürste. Daheim bekommt er wieder was zu Essen. Langfristig werden wir die Dosis erstmal er erhöhen, weil er bei uns ja wesentlich mehr bewegt wird. Marko geht nochmal mit ihm joggen. Danach entspannen wir uns alle. Baakir spielt mit dem Seil und versucht auch wieder, seine Decke durch die Wohnung zu schleudern und zu zerkauen. Aber wir nehmen sie ihm weg und sagen mehrmals scharf "Aus". Dann lässt er es. Marko und ich schauen einen Film, Baakir kuschelt sich ins Körbchen, das wir vorher noch in eine ruhigere, abgeschiedenere Ecke des Wohnzimmers gestellt haben. Kurz vorm Schlafen noch mal kurz raus und dann ab ins Bett. Baakir schläft wieder bei uns im Schlafzimmer auf der Decke. Freitag, 23. Januar 2009 Marko und ich sind knülle. Ich bin das Spazieren auch nicht mehr gewöhnt. Spaß macht's es aber dennoch. Baakir wacht gegen 8:00 Uhr so richtig auf und will raus. Da Marko noch knülle ist, mach ich mich fertig. Wir laufen ums Quarrée und treffen den Schäferhund Bruno, der hinter seinem Zaun bellt. Baakir zerrt auch an der Leine, lässt sich aber wieder beruhigen und wir gehen weiter. Frühstück für uns alle. Wir achten noch immer darauf, zuerst von seinem Essen zu nehmen (so zu tun als ob) und zuerst durch die Tür zu gehen. Ich denke wirklich, das verdeutlicht Baakir, dass wir das Rudel leiten. Baakir streckt sich häufig, dehnt seine Beine. Wir vermuten, er hat Muskelkater vom Joggen und Spazieren. War auch wirklich sehr viel und eine plötzliche Veränderung verglichen mit seinem bisherigen Alltag. Aber es war uns wichtig, dass er abends k.o. ist und gut schläft. Und außerdem soll er sich ja auch langfristig an die Bewegung gewöhnen. Wenn wir zu Hause sind und Baakir nicht beschäftigt wird, d.h. wenn wir ihn gerade nicht füttern, nicht streicheln und nicht mit ihm spielen, dann winselt und fiept er immer. Wir vermuten, dass er in den Momenten irgendwie an seine andere Familie denkt, wenn er sozusagen gerade nicht abgelenkt wird. Um eins fährt Marko mich zur Arbeit. Er fährt mit Baakir kurz zum Tierladen und ist dann mit ihm daheim und joggen. Mittlerweile kann man sich zu Baakir auf den Teppich kuscheln, ohne dass er das als Dominierungschance nutzt. Er bleibt entspannt mit allen Vieren von sich gestreckt liegen und lässt sich kraulen. Halb sechs läuft Marko los, mich abholen. Wir gehen zusammen kurz zu meiner Schwester und ihrer Familie, die Mädels wollen Baakir kennenlernen. Dann laufen wir zu meiner Freundin Conny, die die Tür öffnet, kuckt, schmunzelt und sagt: "Moment." Dann kommt sie aufgekratzt raus zum Spaziergang. Weil es sehr glatt ist, wird es eine kurze Runde. Aber bis wir mit Baakir wieder daheim sind, war er insgesamt doch wieder 2 Stunden draußen. Marko fährt schnell zum Edeka, trifft dort meine Freundin Eve, die ihn nochmal auf die Baakir-Anzeige aufmerksam macht: "Wenn Gea mal kucken will, wie er aussieht." Marko: "Ach Baakir ... Ja, der ist 6 Jahre alt und lebt seit Mittwoch bei uns." Eve: "NEIN …" Sie kommt kurz bei uns vorbei und heißt Baakir willkommen. Er ist sehr entspannt und dominiert gar nicht mehr. Abendessen, entspannen, kleine Pinkelrunde, ab ins Bett. Und Baakir? Der lag zwar im Wohnzimmer im Korb, aber als er merkt, dass wir ins Bett gehen, folgt er uns ins Schlafzimmer. Samstag, 24. Januar 2009 Marko steht gegen 4 Uhr auf und fährt zu Arbeit. Baakir schläft noch bis gegen 7 Uhr, dann wird er unruhig. Ich zieh mich an, es regnet draußen. Aber mit Regenjacke und Rucksack bewaffnet, gehen wir dennoch raus. Ich will mit ihm einkaufen gehen, er soll draußen warten. Mal sehen, wie das wird. Unterwegs treffen wir einen Spitz, Baakir und er kläffen sich an. Aber ich hatte ihn vorher auch nicht versammelt. Als wir uns der B 109 nähern, sehe ich auf der anderen Straßenseite einen Foxterrier. Ich versammel Baakir ("Bei Fuß und bleib, ruhig, Baakir"), es klappt. Auch den Ridgi lässt er ohne Gezerre vorbeigehen. Vorm Supermarkt fiept Baakir, aber das ist mir recht. Er sitzt ruhig. Den Einkaufstest hat Baakir bestanden. Auf dem Heimweg treffen wir einen kleinen Schäferhundmix, Baakir spielt wieder Scheibe, aber als er die alte Hündin (Daisy) dann beschnuppern kann, ist er friedlich. Jetzt steht also fest, Baakir kann schon mit Hunden – logisch. Aber einfacher ist es natürlich, wenn er sie beschnuppern kann. Da er aber noch nicht von uns abgeleint wird, können wir das nicht üben. Später mal. Bis dahin, ist das rechtzeitige Sammeln durchaus von Vorteil. Wir haben auch überlegt, ihn in die Hundeschule zu bringen, um den Umgang mit anderen Hunden besser zu üben. Gegen 13 Uhr Aufbruch zu meinen Eltern. Im Hausflur treffen Baakir und ich auf die Untermieter mit ihrem kleinen Mischling Chico. Während Baakir schwanzwedelnd auf ihn zustürmt, fühlt sich Chico bedroht und fängt ne Beißerei an. Offenbar war der Hausflur fürs erste Treffen zu eng. Baakir hat eine winzige blutende Wunde am Hinterkopf. Halb so schlimm, aber nervig. Jetzt geht's mit Mutti spazieren. Baakir soll sich ja an sie gewöhnen, weil er da in "Notfällen" mal bleiben soll. Wir laufen den Lanker Weg hinter und zur Badestelle am Liepnitzsee. Da dort niemand ist, lass ich Baakir frei laufen. Ich rufe ihn zum Test zurück, er kommt sofort. Als ich es etwas später wieder tue, trullert er. Unter diesen Umständen gilt wohl noch ne Weile Leinenzwang ... Nach 1,5 Stunden sind wir zurück und ich nehm die Decke aus dem Auto mit rein, damit Baakir auch bei meinen Eltern eine eigene Fläche hat. Kaffeetrinken, Baakir liegt artig dabei. Das freut mich, er fühlt sich wohl bei meinen Eltern, schlummert auch. Das Haus hat er auch schon inspiziert. Heimwärts. Als Marko gegen 19 Uhr kommt, springt Baakir ihm fröhlich entgegen. Wir machen es uns gemütlich und gehen nachts nochmal ne kleine Blockrunde vorm Schlafen. Sonntag, 25. Januar 2009 Gegen halb 8 Uhr wird Baakir unruhig. Marko geht mit ihm raus. Wir hängen daheim rum. Dann sind wir bei meinen Eltern zum Mittagessen. Anschließend gehen Marko und ich mit ihm spazieren für ca. 1,5 bis 2 Stunden. Wenn wir Hunde treffen, zieht Baakir an der Leine, auch wenn er vorher "Sitz" machen sollte. Ich denke, die Hundeschule wäre wirklich ein guter Ansatz, um das zu verbessern. Langfristig will ich ihn schon auch von der Leine abmachen. Ich lasse Baakir 5 Minuten allein in der Wohnung, während ich im Hausflur fege und wische. Baakir winselt. Später fällt mir auf, dass Baakir immer aufmerksam zur Wohnungstür kuckt und mit dem Schwanz wedelt, wenn er Geräusche im Hausflur hört. Wenn niemand in die Wohnung kommt, winselt er kurz und legt sich wieder hin. DAS ist also der Moment, in dem er zeigt, dass er seine Familie vermisst. Er scheint noch zu hoffen, sie kämen und holen ihn ab. Mal sehen, ob die Bachblütentropfen (für Abschied und Heimweh) ihm helfen werden … Seine Mittelohrentzündung ist noch immer zu behandeln. Er hasst es und zappelt immer rum. Aber es muss sein, und am Ende gibt's ja auch immer ne Belohnung. Baakir chillt viel, schlummert wenn wir gerade entspannt irgendwo sitzen. Er mag es, auf dem Wohnzimmerteppich zu liegen, wenn wir kochen. Dann kann er durch die Glasscheiben zusehen und doch weich liegen. Kleine Runde um den Block und ab ins Bett. Montag, 26. Januar 2009 Gegen 7 Uhr um den Block. Marko geht mit Baakir anschließend 45 Min. joggen. Auch Marko findet, er hört besser, wenn man ihn vorm Treffen von Hunden neben sich laufen lässt. In der Wohnung verhält er sich sehr lieb. Wir testen ihn und lassen ihn 15 Minuten allein in der Wohnung. Erst winselt er ein wenig, nach wenigen Minuten ist er aber ruhig. So könnte das wohl stundenlang weitergehen. Gut, wir können ihn jetzt also auch mal allein lassen. Aber heute gehen wir erstmal mit ihm einkaufen. Artig wartet er vor den Läden. Ich fahr mit ihm zu meinen Eltern, er ist friedlich und entspannt. Und wartet sogar ruhig auf mich, als ich schnell mal in die Apotheke rüberhusche. Ohne Mucks bleibt er ruhig liegen. Toll. Wieder nach Hause. Ohrbehandlung geb ich ihm heute alleine. Er zappelt zwar, aber es geht schon besser. Das freut. Ruhiger Abend. Kurze Nachtrunde. Baakir schläft im Wohnzimmer in seinem Korb, kommt nicht zu uns. Hm, okay. Scheint sich wohl zu fühlen. Dienstag, 27. Januar 2009 Dienstage sind mir ja eh ein Dorn im Auge, aber der heute hat's echt mal wieder in sich gehabt. Morgens drehe ich ne größere kleine Runde mit Baakir. Am Ende treffen wir vorm Haus auf unseren Nachbarn mit seinem kleinen Hund August. Ich hab Angst, dass es in die Hose geht. Beide Hunde sind an der Leine und kucken sich erstarrt an. Unser Nachbar sagt: "Der wedelt jetzt aber nicht mit dem Schwanz." Kurz darauf wedelt Baakir mit seinem Schwanz. :) Beide gehen aufeinander zu. Baakir ist freundlich interessiert, August in Angst und stänkert kurz. Wir ziehen beide auseinander. Der Nachbar und ich schnacken ne Runde, während Baakir in die Landschaft kuckt und August sich ganz leise und langsam von hinten an Baakir heranschleicht, um ihn unbemerkt zu beschnuppert. Baakir findet's ok. Marko hat alles vom Fenster aus beobachtet und ist genauso erleichtert wie ich. Baakir kann schon mit Hunden, aber irgendwie ist es situationsabhängig, oder? Rumgetruller daheim. Ich fahr mit ihm zu meinen Eltern. Ja, wir sind da fast täglich, weil ich nur da momentan ins Internet komme. Aber es ist eh gut, wenn Baakir sich da auch heimisch fühlt. Am Nachmittag laufe ich mit ihm von der Wohnung zu meiner Freundin. Die 25 Minuten Fußweg legen wir zügig zurück. Ein Rottweiler hinterm Zaun lässt auch Baakir wieder an der Leine zerren, aber auf ein scharfes "Aus" wird er ruhiger. Auf "Fuß" oder "Ruhig" reagiert er in dem Moment nicht. Später passiert uns noch ein Westi. Ich hab erst Angst, dass er Scheibe spielt, weil Baakir mit Westis ja angeblich nicht kann. Aber er bleibt ruhig sitzen, zuckt kurz und knurrt kurz. Nicht optimal, aber schon besser als Hinzerren. Der Spaziergang mit meiner Freundin ist harmonisch, er zieht nicht, läuft gut bei Fuß, hört auf Kommandos. An der Liepnitzbadestelle stehe ich wieder auf dem Hügel, wo ich alles überblicken kann und lasse ihn frei rumrennen, ich werfe ein paar Stöcker, denen er hinterherrennt, die er aber nicht bringt. Mag ich. Dann kommt er wieder ran zu uns. Und ich nehm ihn an die Leine und es geht heimwärts. Nach ein paar Minuten sehe ich von rechts einen Dobermann ohne Leine kommen. Erst denke ich: "Scheiße." Dann erkenne ich, es ist Oskar, der Hund meiner anderen Freundin bzw. derer Eltern. Oskar ist absolut harmlos und da ich Baakir heute so friedlich fand und denke, ohne Leine sind Hunde friedlicher, mach ich Baakir ab. Er rennt zu Oskar, Oskar kuckt. Beide stehen sich sekundenlang still gegenüber. Ich denke schon: "Gott sei Dank, sie mögen sich." Aber dann plötzlich fängt Baakir ne Keilerei an. Oskar ergibt sich sofort, aber Baakir hört nicht auf, hält ihn an der Nackenseite fest. Oskar fiept. Ich rufe "Aus" und will Baakir wegziehen, aber irgendwie lässt er nicht los. Ich hab Angst, dass er voll die Fleischwunde in Oskar reinbeisst, sone Beißhemmung hat wie ein Kampfhund. Oskars Herrchen will nun auch eingreifen. Keine Ahnung, wie, aber Baakir lässt irgendwann doch los. Ich bin total angepisst und sauer auf ihn. Oskar ist sichtlich verstört. Scheiße. Gerade er, mit dem wir zusammen spazieren gehen wollten langfristig. Oskar scheint nicht ernsthaft verletzt zu sein. Immerhin. Aber dennoch. Scheiße ist sowas. Baakir hat für den Tag bei mir verschissen. Wir gehen nach Hause und er muss "Fuß" laufen. Mein Fehler, ihn abzumachen. Ich kenne ihn erst seit ner Woche. Zu früh zum Vertrauen. Auf jeden Fall werden wir zur Hundeschule gehen. Da kann er den Umgang mit Hunden mit und ohne Leine üben. Ich geb ihn nicht auf, aber da wartet Arbeit auf uns. Daheim schicke ich ihn ins "Platz" auf den Teppich. Zweimal steht er auf, um zu kucken, was ich im Bad mache. Ich zeige mit dem Zeigefinger in die Richtung, aus der er gekommen ist. Er duckt sich und geht zurück und legt sich wieder hin. Guuuut. Kleinlaut ist gut in dieser Situation. Ich bin dann weg. Marko kommt ne halbe stunde später heim, geht mit ihm nochmal zu meinen Eltern und zurück und als ich abends wieder da bin, kann ich Baakir auch nicht wirklich böse sein. Wir werden ihm das abtrainieren. Eigentlich issa ja n Lieber. Und hergeben möchte ich ihn auch nicht mehr. Da müssen wa jetzt einfach durch. | ||
![]() |
![]() |
![]() |
Mittwoch, 28. Januar 2009 Eine Woche ist rum. Zwischenfazit: Er hat sich bei uns eingewöhnt. Er erkennt uns als Rudelführer an, springt nicht hoch etc., er war schon einmal auf der Couch als wir wegwaren (hab die Tapsen gesehen), er folgt uns aufmerksam, hört gut, läuft gut an der Leine. Soweit alles super. Seinen Umgang mit Hunden üben wir. Freitag nachmittag fahren wir zum Bello Inn nach Bernau. Für eine Woche doch ganz gut, oder? Morgenrunde. Ich fahr mit Baakir zu meinen Ellis. Internet und so. Er schlummert friedlich auf der Decke. Meine Ellis haben für ihn ein bisschen Fleisch aufgehoben, von der Rinderbrühe die gerade kocht. Mittags fahr ich mit Baakir zu Eve. Der Spaziergang ist entspannt. Ich lasse ihn bei Fuß gehen, als wir an Grundstücken vorbeikommen, die nach Hunden aussehen. Und da ist auch schon ein Schäferhund. Er bellt. Baakir ist aber auf der anderen Seite, weg von ihm, zieht ein wenig. Ich sage "Aus" und es scheint einigermaßen zu funktionieren. Dann stürmt aber vom Grundstück zu unserer Rechten auch ein Schäfi heran. Baakir ist überfordert und zerrt. Mein "Aus" wird lauter und ich denke noch: "Irgendwie sollte ich ruhiger bleiben." Nach 1-2 Minuten sind wir an den Grundstücken vorbei und Baakir macht artig "Sitz". Er ist wieder ganz ruhig. Hm. Also Hunde wühlen ihn wirklich auf. Eve meint, dass mit Oskar am Dienstag war einfach scheiße. Aber prinzipiell glaubt sie schon, dass man Baakirs Verhalten in den Griff bekommen kann. Sie rät mir, statt "Aus" "Ruhig" zu sagen, weil auch mich das ruhiger macht. Ein paar Straßen weiter folgt der Test. Es klappt. Baakir kuckt zu dem Hund hinterm Haus, zieht aber deutlich weniger. Jut. :) Heimweg. Abends kommt Eve noch zu mir. Wir basteln und nähen. Sie ist ganz begeistert von Baakir, von seinem Brummen und Kucken und wie er im Körbchen liegt. Ich bin erleichtert. Nachts geh ich nochmal ne Runde mit ihm. Donnerstag, 29. Januar 2009 Marko und ich sind daheim und bekommen Besuch von der Versicherungsfrau. Baakir ist superartig. Sein Pupsen lässt uns und Gäste regelmäßig schmunzeln. Er kuckt immer so herrlich unbeteiligt, wenn er einen fahren lässt. Wir drehen ne Runde mit ihm und nehmen ihn im Auto mit zum Real. Baakir ist wohl noch nicht ausgelastet heute, jedenfalls quengelt er beim Autofahren. Werden ihn nicht mehr zu sowas mitnehmen, da ist es daheim für ihn wohl entspannter. Ich bin abends in Berlin. Marko macht sich's bequem mit Baakir. Freitag, 30. Januar 2009 Halbe Stunde Morgenrunde. Auto zur Werkstatt. Mit Marko wieder heim. Baakir bleibt ohne Probleme alleine. Ein Segen. Wir gehen mit ihm spazieren und fahren anschließend nach Bernau zum Bello Inn. Der Herr Melzer hat nicht wirklich Zeit heute, gibt uns aber eine Laufleine mit und zeigt uns kurz den Umgang, den wir übers Wochenende üben sollen. Halti, Würger und Stachelhalsband lehnt er ab. Das Laufgeschirr ist okay, aber er empfiehlt, die Leine vor der Brust zu befestigen und nicht am Hals oder Rücken, weil: Wenn der Hund an der Leine zu einem Hund oder etwas anderem hinläuft, und dann ist die Leine straff, dann drückt es in die Kehle, wenn sich die Leine im Hals strafft. Und der Hund verbindet dann den Druck mit dem, was er vor sich sieht und wird aggressiver. Hm, klingt irgendwie plausibel. Wenn die Leine nun aber an der Brust befestigt ist, dann ist weniger Druck beim Ende der Leine und der Hund wird nicht aggressiv. Herr Melzer läuft mit Baakir an einem Zaun entlang, hinter dem ein Hund steht. Baakir läuft hin, interessiert sich kaum für den Hund, dann knurrt er. Herr Melzer zieht ihn in eine andere Richtung, weg vom Zaun. Ziel der Übung: Wenn der Hund knurrt oder zerrt, ziehen wir ihn weg und missachten sein Verhalten. Herr Melzer läuft wieder zum Zaun, Baakir macht nichts mehr. Wir staunen. Die Laufleine muss dabei stets schlaff durchhängen (= kein Druck). Nun ja, mal sehen. Am Montag sollen wir wiederkommen. Dann werden wir den Umgang mit anderen Hunden mehr üben. Wir müssen noch kurz zum Lidl und Bioladen. Baakir quengelt vor Langeweile. Sorry. Kochen zusammen. Eve und Dietz kommen vorbei. Dietz findet Baakir auch total lieb. Wir brechen auf, Marko und Baakir bleiben daheim. Samstag, 31. Januar 2009 Ich gehe 20 Minuten mit Baakir und bin den Vormittag im Bioladen arbeiten. Marko geht mit Baakir zum Tierarzt. Die Entzündung ist gut abgeheilt. Die Impfung kriegt Baakir auch. Marko und ich gehen circa ne Stunde spazieren mit ihm, um den dritten Pfuhl und übern Lanker Weg zurück. Danach lassen wir ihn daheim. Zu Eves Feier wollen wir ihn nicht mitnehmen, weil die Bologneserhündin Fine auch kommt. Und die sollen sich lieber mal außerhalb des Hauses treffen. Wenn's nicht so glatt und kalt ist und wir schon mehr mit ihm geübt haben und vertraut sind. Marko holt ihn gegen 19 Uhr kurz zum Kennenlernen und Spazieren. Fine lassen wir nicht raus. Danach bringt er ihn wieder heim. Baakir ist echt lieb. Sonntag, 1. Februar 2009 Marko geht mit Baakir raus und ist dann arbeiten. Ich truller rum. Gegen 12 Uhr lauf ich mit Baakir zu Conny. Auf dem Parkplatz treffen wir August. Baakir ist an der kurzen Leine. August ist frei. Baakir läuft ruhig dran vorbei. Knurrt. Fiept. Ist still. Herr und Frau Dolezal schnacken mit mir, während die Hunde sich ankucken, aber ruhig bleiben. Ich mach die lange Leine ran und geh los. Mika und Herrchen kommen um die Ecke. Baakir zieht hin und knurrt. Herr S-P: "Das wird noch." Tut gut zu hören, Herr Dolezal meinte auch, ich kriege das hin mit den Hunden. Baakir und ich laufen zu Conny, er an der langen Leine. An Kreuzungen sage ich "Halt" und Baakir bleibt stehen. Manchmal macht er von sich aus Sitz, muss er aber nicht. Hauptsache, er stürmt nicht auf die Straße. Er läuft auch bei Fuß an der langen Leine, wenn ich das sage. Sie ist dann "aufgerollt" und hängt durch. Klappt alles gut. Bei Fuß gehen wir an einem Grundstück mit bellendem Schäfi vorbei. Baakir kuckt, aber muckt nicht. Im Wald ist er auch sehr lieb und artig. Aber ich hab die Angst wie damals bei Tapsy. Ich hab keine Lust auf Konfrontation und gehe allen Hunden aus dem Weg. Dadurch muss ich mich dem Problem nicht stellen. Auf dem Rückweg geh ich genauso vor. Und am Parkplatz nehm ich Baakir wieder an die kurze Leine. Alles supi. Ich bade. Baakir trullert. Gegen 19 Uhr begrüßt er freudestrahlend (und grinsend) Marko. Baakir frisst und schlummert. Kurze Runde. Montag, 2. Februar 2009 Baakir weckt uns gegen 7:30 Uhr. Wir sind leider erst um 2 Uhr ins Bett. Aber was soll's. Er muss halt raus. Ich geh mit ihm spazieren. Es ist ne schöne Runde. Weiß gar nicht mehr genau, wo ich lang gegangen bin. Aber ich mag die Gegend hier. Marko und ich trullern ewig rum. Dann wollen wir um den Liepnitzsee. Er rennt mit Baakir, ich fahre Rad. Zuerst ist alles ganz schön, aber es ist nach wie vor sehr glatt auf den Waldwegen und das Schlimme daran ist, dass es nicht durchgängig so ist. Mal ist es trocken und gut begehbar, mal ist es plötzlich rutschig. Da Baakir auch nicht immer gleich auf Markos Anweisungen reagiert, verschlechtert sich die Stimmung. Auf rutschigen Strecken mit einem Hund rennen, der nur bedingt hört? Hm. Wir drehen irgendwann ab und ich laufe manche Strecken mit Baakir und lasse Marko radeln. Seine Schuhe haben zu allem Überfluss nicht genug Profil. Wir sprechen nochmal Anweisungen ab, die wir verwenden wollen. So dass Baakir nicht verwirrt ist. Also "Halt" statt "Warte". "Hier" bedeutet kommen, um uns herumlaufen und sitzen. "Hier lang" bedeutet, seine Richtung unserer anzupassen. "Baakir" und Ruck bedeutet, langsamer gehen. Ich kann mich erinnern, dass ich das bei Tapsy auch so gemacht hatte. Und irgendwann, als sie ohne Leine war, hab ich auch nur ihren Namen gerufen und sie wurde langsamer. Jahrelange Übung. Tja, die haben wir mit Baakir nicht. Keine zwei Wochen sind rum. Es fühlt sich aber schon jahrelang an. Dennoch ist alles seltsam anders. Tapsy ging eine Runde am Tag. Und ansonsten trullerte sie öfter im Garten herum, morgen, mittags, abends. Baakir geht morgens und nachts Pullerrunden und mindestens eine große pro Tag. Die abgebrochene Seeumrundung (auf besseres Wetter verschoben) war am Ende doch 1,5 Stunden lang. Immerhin. Wir sind dennoch mehr k.o., als er. Hundeschule steht noch auf dem Plan, aber weder Marko noch ich wollen hin. Ich bin schon interessiert, mir Anregungen zu holen. Aber wir beschließen, die Leinenführigkeit auf unsere Art weiter zuüben. Die lange Leine, die kurze Leine. An Straßen und Kreuzungen "Halt", wenn er will Sitz, bei Fuß rüber gehen. Er darf im Rahmen der Leine laufen, außer er soll Fuß gehen. Das erfolgt immer dann, wenn es glatt ist, er zu sehr gezogen hat, ein Hund passiert wird, ein Auto zu dicht vorbeifährt, usw. Es sind verschiedene Situationen. Herr Melzer meinte, wir sollen den Hund nicht zu oft rufen, weil das seine Aufmerksamkeit erweckt. Sprich, er kuckt dann erstmal, weswegen wir ihn rufen und rennt eher zu dem Grund hin, als zu uns. Das ist mir klar, und ich bemerke auch bei Baakir regelmäßig, dass er erstmal kuckt, was los ist, bevor er rankommt. Gerade deshalb rufe ich ihn auch einfach mal, wenn nichts ist. Einfach um ihn zu testen. Wenn das reibungsloser klappt, geht's auch ohne Leine. Für heute war die Hundeschule in Bezug auf Hunde geplant. Baakir und andere Hunde sollten frei rumrennen und sich vertragen. Wir hatten heute keine Lust auf sowas. Zu glatt und ungemütlich kalt, um einzugreifen oder irgendwas lernen zu wollen. Also später mal. Erst mal üben wir das Leine gehen, später das ohne Leine. Mittags auf der großen "Seerunde" sind wir an Hunden vorbeigekommen. Baakir kuckte hin, zog nur gaaaaaanz leicht und gab keinen Mucks von sich. Fasst konnte man denken, er hätte sie nicht bemerkt. Hat er aber, er spielt nur nicht mehr Scheibe. Ich laufe mit Baakir zu meinen Eltern, Telefon und Internet. Marko schläft für die Nachtschicht. Ich laufe mit Baakir heim und alles läuft reibungslos. Auf der Nachtrunde gegen 23 Uhr verhält sich Baakir soweit sehr artig. Er fiept immer, wenn ich mal stehenbleibe. Also fiepe ich auch, wenn er es tut. Findet er bestimmt albern, ich auch. Aber an sich läuft alles gut. An der Kreuzung wo es zu Oskar ginge, bleibt plötzlich ziemlich stur stehen und will in die Richtung. Ich bin davon nicht besonders erfreut. Wirkt irgendwie aggressiv. Naja. Also weiter heimwärts. Vorm Haus sitzt die Katze unserer Nachbarin. Ich binde Baakir am Zaun fest und lasse ihn sitzen. Ich will den Kater reinlassen und laufe auf ihn zu. Er läuft aber weg und ich denke auch, es ist irgendwie eher üblich, dass er morgens rein kommt. Also gehe ich Baakir holen und bemerke erstaunt, dass er die ganze Zeit artig saß. Als wir auf die Tür zulaufen, und die Katze endgültig weghuscht, zieht Baakir mich hin. Ich ziehe ihn zurück. Ich denke, er kann mit Katzen ... Hm. Wieder drinnen, versucht er einmal kurz, mich zu besteigen. Ich kriege einen Flash. Mir fehlt Tapsy. Hab ich mich ihr gegenüber auch manchmal hilflos gefühlt? JAAAAA, hab das nur verdrängt. Man erinnert sich lieber an das Schöne. Und das war am Ende sehr viel. Mit Baakir isses auch schön. Und wenn ich an die Frau ausm Wald heute denke, wie sie Probleme hatte, ihren Münsterländer zu halten. Hm, also gehalten kriege ich Baakir, es ist nicht so, dass er mich endlos irgendwo hinzerrt. Eher baumelt er an der Leine. Ach, wird schon. Und Tapsy? Tapsy war anders, und Tapsy ist mir nicht böse, dass Baakir jetzt da ist. Dienstag, 3. Februar 2009 Wir fangen an, Reis-Fleisch-Gemüse für Baakir zu kochen und portionsweise einzufrieren. Mittwoch, 4. Februar 2009 Lasse ihn am Strandbad frei aufm Parkplatz rennen, rufe ihn ran, er kommt. Ich laufe immer wieder in eine andere Richtung und rufe ihn: "Na, komm." Baakir reagiert sofort und stürmt immer wieder zu mir und an mir vorbei. Irgendwann, nach dem fünften Wechsel läuft er näher bei mir. Ich sage "bei Fuß" und Baakir läuft ohne Leine neben mir her. Stolz!!!! Ich lobe ihn, lasse ihn laufen, rufe ihn wieder und nehme ihn an die Leine. Unten am See lasse ich ihn auf einer freien Wiese nochmal laufen. Ich tobe mit ihm und jage ihn. Dann ruf ich ihn, er kommt ran. Ich lasse ihn wieder laufen und als ich ihn wieder rufe, kuckt er erst, weshalb, also ob irgendwo einer kommt, dann trullert er rum. Als er dann irgendwann wieder ran kommt, nehm ich ihn an die leine. So geht's ja nicht... Da ist wohl noch Leinenzwang vonnöten. Donnerstag, 5. Februar 2009 Morgenrunde. Zahnarzttermin. Anschließend bin ich bei Opa im Krankenhaus, Baakir bleibt artig allein. Dietz und Eve kommen vorbei. Wir gehen ne Runde im Wald. Baakir hört gut. Als ein Labrador vorne den Weg kreuzt, bleibt er ruhig. Als wir ihm später nochmal begegnen und der Weg zu schmal ist, lass ich Baakir abseits Sitz machen. Als der Hund vorbeiläuft, tickt Baakir aus. Scheinbar ist es bei ihm wirklich negativ, ihn zu beachten und auf Dinge hinzuweisen, die er nicht machen soll. Hm. Aber vorbeilaufen würde ich vorerst nur auf einem gegenüberliegenden Fußweg. Nach dem Spazi gehen wir zu uns, Kaffee trinken. Dietz und Eve sind angetan von ihm. Er ist sehr artig. Gegen 18 Uhr bekommt er Essen. Wir brechen zum Zug auf. Treffe Sophie im Edeka. Kino in Berlin. Der Film hat Überlänge. Mit Marko fahren wir wieder zurück. Baakir war circa 6 Stunden allein. Hat er ohne Probleme geschafft. Cool, jetzt bin ich auch entspannt, was das angeht. Größere Nachtrunde mit dem Herrn Hund und ab in die Kiste. Freitag, 6. Februar 2009 Von 23 Uhr bis 1:30 Uhr laufe ich mit ihm und Musik im Ohr durch Wandlitz. Geil, nachts stundenlang rumlaufen. Freu mich auf Sommer und barfuß sein. Samstag, 7. Februar 2009 Frührunde. Ich in Bioladen bis 11 Uhr, dann nach Berlin. Manne beim Umzug helfen. Baakir ist in dieser Hinsicht wahrlich ein Segen. Bleibt ohne Probleme daheim. Sonntag, 8. Februar 2009 Baakir ist so gütig, uns erst gegen 9 Uhr zu wecken. Ich drehe gleich ne größere Runde (ca. 1 Stunde), weil die Sonne scheint und ich das Gefühl hab, heute werden wir zeitlich wieder eiern. Marko hat nämlich frei. Und so isses dann auch. Gegen 10 Uhr kriegt Baakir Fressen Nr. eins. Marko und ich frühstücken, bauen das Kellerregal auf. Marko besucht seinen Opa, ich mach Zeug daheim. Gegen 17 Uhr drängelt Baakir. Ich geh mit ihm raus. An dem einen Hund vorbei, der nur durch den Zaun kuckt, obwohl er schon mal gebellt hatte. Da hatte Baakir durchgedreht, jetzt nicht. Dafür kommt spontan von rechts ein Goldi angebellt. Irgendwie ist es nicht ganz klar, mal bleibt er ruhig, wenn Hunde bellen, mal dreht er ab. In jedem Fall bin ich für autoritäre, starke Erziehung. | ||
Sonntag, 1. März 2009 3 Wochen sind ins Land gegangen seit meinem letzten Eintrag. Im Großen und Ganzen waren sie recht gleichbleibend. Bei uns daheim verhält sich Baakir ausgesprochen lieb. Er kommt uns morgens wecken, wenn er findet, es ist Zeit, mal aufzustehen. Wir drehen täglich eine Morgen- und eine Abendrunde und eine größere mitten am Tag. Mal joggen mit Marko, mal ausgedehnt spazieren mit mir. Mal kommen Freunde oder meine Mama mit. Ich war in den letzten drei Wochen unendlich oft draußen und hab schnell bemerkt, dass die Spaziergänge immer entspannter werden. Baakir ist immer wieder mal stürmisch an der Leine, aber er lässt sich auch zurückrufen. Bei der Abendrunde trullert er grundsätzlich ganz entspannt an der durchhängenden Leine umher. Beim Tagesspaziergang steht immer etwas mehr Erziehung und Training an als morgens und abends. Wir üben mit ihm, dass er nicht zieht. Außerdem begegnen wir zwangsläufig sehr oft Hunden. Baakir folgt dabei immer einem gewissen Verhaltensmuster. Wir haben schon festgestellt – und in dieser Hinsicht war das Buch "Zufrieden an der Leine" auch sehr hilfreich –, dass er nervöser wird, je dichter ein anderer Hund ihn passiert. Obwohl Baakir ja am Anfang auf Oskar losging, habe ich daher gestern beschlossen, dass er hauptsächlich unsicher ist. Denn allzu oft fiel mir auf, dass es immer nach dem gleichen Schema abläuft: Er nimmt den anderen Hund wahr und wird erstmal starr, dann will er hinziehen. Ich weise ihn jedoch stets an, bei Fuß zu gehen. Das klappt einigermaßen gut, aber die Leine ist sehr straff dabei. Je näher der Hund kommt, desto mehr zieht Baakir. Manchmal lässt er sich mit Leckerlis vom Hund ablenken und läuft einfach an ihm vorbei. Manchmal läuft er auch ohne Leckerlis an der straffen Leine interessiert hinüberschauend vorbei. Bei Hunden seiner Größe fängt er ab einem 3-Meter-Abstand an, hochzusteigen und richtig zu zerren. Dann ruf ich ihn zurück und ins Sitz. Neulich hat dabei sogar der Schäferhund hinterm Zaun Sitz gemacht. :-) Ich kann mich erinnern, dass mein Hündin in ihren aktiveren Jahren auch so war. Irgendwann, mit viel Geduld und gleichsamer Erziehung, wurde sie ruhiger. Und mit der Herangehensweise, Baakir sei eher unsicher als aggressiv, können auch Marko und ich viel entspannter in Hunde-Treff-Situationen gehen. Mit dem kleinen August aus dem Haus hier, versteht er sich beispielsweise sehr gut. Baakir wedelt stets mit der Rute. August hingegen knurrt unsicher, aber nur, um sich dann heimlich interessiert von hinten an Baakir heranzuschleichen. Es gibt Hunde in unserer Nachbarschaft, da spult sich Baakir maßlos auf, bei anderen ist es tagesformabhängig, bei wieder anderen macht Baakir gar nichts. In jeden Fall wird alles immer entspannter, je mehr Marko und ich auch loslassen können. Das Vertrauen in Baakir wächst und damit hört er auch immer besser. Ich übe mit ihm auch das Laufen ohne Leine, wenngleich nur an sehr übersichtlichen Orten. Im Wald läuft Baakir somit schon etliche Meter ohne Leine bei Fuß neben mir her. Auf größeren Flächen darf er auch mal frei rumrennen. Da überdreht er aber schnell und wird etwas unfolgsamer. Mit einem scharfen Ton rief ich ihn heute zurück und ab da war es viel besser. Ich hab ihn noch dreimal laufen lassen und dann gepfiffen und gerufen, er möge doch wieder zu mir kommen. Da es für jedes Kommen ein Leckerli gab, wurde Baakirs Reaktion immer zügiger. Das machte mich stolz. Es wird täglich deutlich, wie clever Baakir ist. Er weiß ganz genau, was er darf und was nicht. Aber er testet immer wieder unsere Geduld. Und dass er auf Leckerlis reagiert, ist ein Grundwesenszug von ihm, weil er sowieso gern frisst. Mittlerweile hat er uns aus der Küche schon ein Toastbrot, 10 Schrumpeläpfel und 1 Fladenbrot geklaut. Er kaut dann auch kaum, sondern schlingt gefundene Happen fast komplett hinunter. Man lernt schnell, alles hoch und weg zu stellen, oder einfach die Küchentür zu schließen. Insgesamt wird also alles immer schöner und wir freuen uns darauf, im Sommer mit Baakir zu schwimmen und ihn nächstes Jahr auch entspannt im Umgang mit anderen Hunden zu erleben. Montag, 2. März 2009 | ||||
![]() Baakir sitzt ausgesprochen gern ungequem. |
War heute nacht nochmal mit Baakir draußen wie üblich. Diesmal um 1:30 Uhr. Und habe ihn an einer übersichtlichen Straße zum ersten Mal im Wohngebiet frei laufen lassen. Klappte super. Er kam immer auf Zuruf heran und bekam sofort ein Leckerli. Heute am Tag war ich eine große Runde am See spazieren und hatte ihn auch an zwei übersichtlichen Stellen frei. Auch hier war alles echt gut. Er drehte sich immer wieder nach mir um, suchte nach mir, wenn ich nicht mehr zu sehen war und fand mich auch hinter den Bäumen. Und er kam auf Zuruf. Obwohl ich nicht genug Leckerlis dabei hatte. Insgesamt sind solche Tage sehr hilfreich für uns alle. Ich gewinne mehr Vertrauen in ihn. Er versteht, dass meine Kommandos nicht immer im Leinenzwang enden. Werde das Freilassen auf übersichtlichen Wegen weiterhin üben und zu gegebener Zeit ausdehnen. Ich freu mich drauf. |
![]() ... und bettelt leidenschaftlich gern. | ||
Sonntag, 22. März 2009 Ich bin überglücklich. War soeben mit Baakir eine Stunde im Wald unterwegs und hatte mich dort auf einem breiten Weg mit Ulli und ihrem Dobermann Oskar verabredet. Baakir und Oskar sollten sich "neu" kennenlernen, ihre Erinnerung an die erste Begegnung durch eine positivere ersetzen. Baakir hatte Oskar "damals" vor etwa 8 Wochen ja richtig angefallen und sich so halb in ihm verbissen. Es gab zwar keine körperlichen Wunden, aber Oskar hatte verständlicherweise Angst vor Baakir und Baakir lebte weiterhin in seinem rüpelhaften und aggressiven Verhalten gleich großen Hunden gegenüber. In den zwei Wochen seit meinem letzten Tagebucheintrag hat Baakir gute Fortschritte gemacht. Kleineren Hunden begegnete er fast ausnahmslos friedlich und interessiert. Mit unserem Nachbarhund August stand er sogar friedlich im Hausflur herum. Das allein verbreitete schon gute Stimmung. Hunde, die so groß wie Baakir sind, bereiteten ihm und uns aber nach wie vor massive Aufregung. Baakir tobte jedes Mal an der Leine. Immerhin waren wir schon so weit, dass er bis auf eine Distanz von etwa 5 Metern sitzenblieb und den anderen Hund nur fixierte. Aber sobald der Hund an uns vorbeilief, sprang Baakir jedes Mal hoch und knurrte und bellte und wirkte superaggressiv. So auch heute zunächst. Ich fühlte mich bereit, einen Oskar-Treff-Versuch zu wagen, hätte ihn aber auch ohne Probleme gerne noch weiter vor mir hergeschoben. Ulli war unnachgiebig und gegen viertel 12 Uhr brach ich auf zum Treffpunkt. Auf dem Weg dorthin trafen wir eine Gruppe mit einem Goldi und einer Art Spitz. Der Goldi war offen und fröhlich, Baakir tobte wie gewohnt. Drei Straßen weiter trafen wir eine kleine Hündin, die Baakir kaum interessierte. Im Wald stießen wir auf einen Berner Sennenhund, der genauso tobte wie Baakir und die Wege trennten sich an der nächsten Ecke. Dann rief Ulli von hinten unsere Namen. Da waren sie also: Ulli und Oskar. Baakir nahm den Hund wahr und fixierte ihn. Ich ließ ihn "Sitz" machen. Ulli und Oskar kamen näher. Baakir blieb fixierend sitzen. Oskar saß nun in ca. 5 Metern Entfernung. Stille. Dann ging Ulli mit Oskar einige Schritte weiter und Baakir sprang tobend, bellend auf. Ich gebot ihm, zu sitzen. Ulli empfahl nicht nur "Sitz" zu sagen, sondern auch "Pfui" gegen sein unerlaubtes Aufstehen und Bellen. Also kam sie mit Oskar noch einen Schritt näher und ich wiederholte "Pfui" und "Sitz" bis wieder Stille herrschte. Auf die Art kamen sich die Hunde bis auf zwei Meter näher. Oskar war sehr aufgeregt vor Angst. Baakir vor Unsicherheit? Nun saßen sich die zwei minutenlang gegenüber und Baakir fing an, mit dem Schwanz zu wedeln und zu quietschen. Ulli empfahl, auch das Quietschen mit "Pfui" zu unterbinden und nicht bloß zu ignorieren. Überrascht darüber, wie friedlich man dann doch in der Landschaft herumstehen und -sitzen konnte, beschlossen wir mit 2 Metern Abstand nebeneinander her zu spazieren. Baakir lernte dabei auch gleich, dass beim "bei Fuß"-Laufen jegliches Ziehen mit "Pfui" und Ruck und "Fuß" unterbunden wird. Und er lief schnell artig "bei Fuß". Nun konnten Ulli und ich tatsächlich nach 20 Minuten friedlich mit unseren Hunden nebeneinander herlaufen. Faszinierend. Irgendwie muss Baakir den Kontakt mit großen Hunden wirklich nicht gewohnt gewesen sein. Denn plötzlich war ihm Oskar direkt egal. Immer wieder hielten wir an, ließen die Hunde "Sitz" machen und verringerten den Abstand. Baakir tobte nicht mehr, zeigte nicht mal Ansätze dessen. Er schaute einfach nur interessiert zu Oskar und ließ ihn näher an sich heran. Irgendwann lief Ulli mit Oskar im Kreis um Baakir und mich herum. Da knurrte Baakir einmal kurz und wurde mit "Pfui" ermahnt. Dann war er wieder friedlich und ließ es zu. Und weiter ging es "bei Fuß" durch den Wald. Am Ende konnte ich Ulli berühren so dicht liefen wir. Die Hunde friedlich. Schließlich saßen sich beide noch einmal gegenüber. Ulli ließ Baakir an ihrer Hand schnuppern, ich Oskar an meiner. Dann streichelte jeder wieder seinen Hund. Beide sollten "Platz" machen und kamen sich dabei so nah, dass sich beide Nasen berührten. Sie schnupperten kurz und blieben friedlich. Baakir war aber sehr angespannt. Das war ihm wohl doch noch nicht ganz geheuer. Aber okay. So viel fürs Erste. Und das war schon wirklich, wirklich gut. Am Ende gaben Ulli und ich uns einen Drück und liefen heim. Sinnvoll wäre es natürlich, das bald und oft zu wiederholen, aber ich werde ja sehen, wie Baakir in Zukunft auf andere große Hunde reagiert. Im Idealfall müsste ich diese Situation mit anderen großen Hunden üben, damit Baakir generalisieren kann. Aber vielleicht ist er ja auch so jetzt schon ruhiger. Wir werden sehen. In jedem Fall werden Baakir und Oskar sich wieder treffen und irgendwann im Sommer vielleicht auch ohne Leine planschen gehen zusammen. Mal sehen. Ich bin jedenfalls sehr zuversichtlich. Donnerstag, 26. März 2009 Vorgestern war Marko mit Baakir fast 2 Stunden im Wald und hat ihn teilweise ohne Leine rennen lassen und ihm auf einem Feld den Seil-Ball geworfen. Baakir ist freudig hinterher galoppiert, hat das Teil aber nicht zurückgebracht. Ich war gestern mit Baakir unterwegs, ca. 1,5 Stunden. Marko und ich hatten die ganze Woche seit Sonntag keine großen Hunde mit Baakir getroffen. Heute kam endlich der Test, ob die Sonntagserfahrung mit Oskar auch generell etwas in Baakir verändert hat. Ich passierte das Grundstück mit dem Goldi, der immer Scheibe spielt. Baakir wollte losstürmen, aber ein scharfes "Pfui - Fuß" genügte und er lief ruhiger neben mir. Nicht richtig ruhig, aber er zog nicht mehr zu dem Hund hin, sondern eher Richtung Bäume, um zu markieren. Ein kleiner Erfolg, wie ich finde. Aber noch deutlicher wurde es am Ende des Spaziergangs als wir im Liepnitzweg liefen und von vorn plötzlich die Rigdeback-Hündin Chica auf uns zugestürmt kam. Ihre Besitzerin brüllte noch ihren Namen, doch die junge Hündin (1-2 Jahre alt) reagierte schon nicht mehr. Baakir starrte in ihre Richtung. Er war an der langen Leine. Ich sagte drei-viermal "Sitz" und er setzte sich tatsächlich zögernd hin, obwohl er 5 Meter von mir entfernt war. Das allein war schon beglückend. Dann war Chica auf Augenhöhe, einer von beiden knurrte, Baakir stand auf und die zwei umkreisten sich schwanzwedelnd. Gut gegangen und ohne Gezerre. Ein Segen. Als Tabo, der Ridgi-Rüde dazu, dann noch vorbeilief (an der Leine), war Baakir zwar interessiert und stieg einmal aus dem Sitz hoch, aber er machte keine Geräusche dabei. Insgesamt ein erfolgreicher Spaziergang. Heute war Baakir bei mir auf Arbeit und quietschte fast die ganze Zeit. Echt nervig. Aber es war ihm einfach zu langweilig an diesem fremden Ort. Danach waren wir mit Dietz und Conny in den Hobrechtsfelder Rieselfeldern. Er lief ein Stück frei, und spielte mit dem Seil-Ball. Aber an der Leine zog er ziemlich stark. Naja, neue Gegend. Finde dennoch, er macht sich immer besser. Donnerstag, 9. April 2009 2 Wochen später. Ne Menge passiert. Wir waren nochmal mit Oskar spazieren. Das lief schon besser als beim ersten Mal. Baakir tobte nur noch ein-zweimal. Und nach unserem Annäherungsprogramm konnten wir loslaufen. Diesmal mussten nicht beide Hunde "bei Fuß" gehen. Beide durften im Rahmen ihrer Leine rumtrullern. Oskar, sehr interessiert, trullerte immer wieder zu Baakir, der dann knurrte. Hm. Naja, das kriegen wir noch hin. Oskar durfte schließlich auch frei rennen. Baakir nicht, der reagiert noch nicht so wie er sollte. Eigentlich ein echt toller Spaziergang. Conny war auch dabei. Und als ich mit ihr und Baakir heim lief, trafen wir noch ein älteres radfahrendes Ehepaar mit zwei frei laufenden Hunden. Ich hatte nach dem tollen Spaziergang keine Lust auf Konfrontation und verzog mich mit Baakir ins Gestrüpp. Dort ließ ich ihn sitzen und wir warteten, dass die Leute vorbeifahren. Taten sie irgendwie auch. Nur der eine Hund rannte schnurstracks auf uns zu. Ich: "Äh, können Sie Ihren Hund bitte zurückrufen?!" - "Ach, der will nur spielen." - "Meiner aber nicht!" Und da war der Hund auch schon bei uns. Baakir rastete wie üblich aus. Mir wurde klar, es geht nicht mal nur um die Größe des Hundes. Baakir kann nicht damit, wenn ein Hund auf ihn zugerannt kommt. Davon fühlt er sich bedroht und knurrt und bellt. Siehe auch Hunde hinter Zäunen. Und weil Oskar langsam näher kam, ging es letzten Endes auch. Gut zu wissen. Half uns aber gerade nicht weiter. Der Mann rief seinen Hund dann, und der hörte auch. Ich dachte, das war's. Aber nein! Der Mann meinte: "Ohne Leine verstehen sich Hunde besser." Ich: "Aha, meiner übt das aber noch." Dann stieg die Frau von ihrem Rad ab und meinte: "Unser Hund ist an und für sich sehr friedlich." Und ich versuchte einfach nur freundlich zu bleiben, denn Baakir zappelte noch immer unruhig an der Leine. Als sie endlich weiterzogen, musste ich erstmal Dampf ablassen. Und zum Glück gab Conny mir Recht. Es gibt Hundebesitzer, die nicht nachdenken. Die gehen davon aus, dass ihr Hund mit allem und jedem kann und daher werden wohl alle Hunde so drauf sein. Dass es aber auch Hunde wie Baakir gibt, die offensichtlich erstmal langsam an bestimmte Situationen gewöhnt werden müssen, ist diesen Leuten nicht klar. Und schlimmer noch: Sie geben anderen Leuten Tipps, ohne ansatzweise zu wissen, wem sie da was erzählen. Ich hatte auch schon einen gut erzogenen Hund. UND: Ich habe Baakir erst knapp 2,5 Monate. Nur weil er ausgewachsen ist, heißt das nicht, dass wir ein Dreamteam sind und uns schon ewig kennen. Plus: Es ist okay, wenn ihr Hund lieb und toll ist. Aber a) sollten sie einfach kucken, was der andere macht. Und wenn er mit seinem Hund im Gestrüpp untertaucht, hat er sicherlich einen Grund dafür. Und b) sollte man dann so clever sein, seinen Hund einfach mal bei sich laufen zu lassen, und nicht den anderen hinterher zu stürmen. Siehe dazu auch die Labrador-Besitzerin im Lanker Weg zwei Wochen vorher. Die fuhr auch einfach weiter auf ihrem Fahrrad und ignorierte meine offensichtliche rote lange Leine, die zwischen mir und meinem Hund baumelte. Und sie ignorierte, dass meiner sitzen sollte. Ich meine, haben all diese Menschen ihre Hunde schon fertig erzogen bekommen? Die müssen so'ne Situationen doch irgendwann schon mal gehabt haben, oder nicht? Schon bei Tapsy damals hab ich immer drauf geachtet, was mein Gegenüber tut und hab sie gegebenenfalls bei mir laufen lassen. Und deshalb soll Baakir auch bei uns laufen, wenn uns jemand begegnet, egal wer. Damit er später, wenn er gut hört und wir Leute treffen, die noch mit ihren Hunden zu kämpfen haben, einfach Ruhe ausstrahlt. Whatever. |
Die Tage trullerten dahin und am Donnerstag darauf traf ich am Ende des Spaziergangs eine Labrador-Mix-Hündin namens Candy. Der Besitzer, sehr entgegenkommend, rief seine Hündin erstmal zu sich, als er bemerkte, dass ich Baakir sitzen ließ. Er nahm seine Hündin an die Leine und wollte weiter gehen. Und ich fasste mir ein Herz und begann damit, das zu tun, was ich bei Tapsy schon getan hatte. Die war ja zunächst auch nicht wirklich sozialisiert worden von uns. Und als ich damit anfangen wollte, war sie circa 3 Jahre alt. Und ich fragte jeden, den ich traf: "Rüde oder Hündin?" War es eine Rüde, durfte Tapsy sich spielend beruhigen und das Phänomen "andere Hunde" kennenlernen. Über die Jahre wurde es dann egal, ob es ne Hündin oder ein Rüde war. Und da Baakir bei Rüden mehr durchdreht als bei Hündinnen, frage ich jetzt einfach auch. In dem Fall war es also eine Hündin. Die zwei durften sich kennenlernen und die Dreijährige turnte, stürmte und neckte Baakir, während ich mit dem Besitzer plauschte. Ein Segen, Baakir auch mal kuschen zu sehen, wenn sie ihn anknurrte. Ich bin guter Dinge, dass er mit Hündinnen und Oskar seine Sozialisation gut üben kann. Einen Tag später, am 3.4., hatte Baakir seinen 7. Geburtstag. Marko war mit ihm lange spazieren und Baakir trat dabei irgendwo am Seeufer in eine Scherbe oder ähnliches. In jedem Fall hatte er ne tiefe Schnittwunde am Hinterfuß. Abends bis Sonntag hatte er dann einen dicken Verband um. Aber es heilte schnell und diese Woche waren wir wieder länger mit ihm draußen. Ich bin ziemlich zufrieden. Das "Bei Fuß" gehen wird immer besser und ausdauernder. Er hat auch einen kastrierten Rüden namens Tim kennengelernt. Alles ziemlich schick. :) |
![]() Baakir an seinem 7. Geburtstag |
Samstag, 9. Mai 2009 Einen ganzen Monat später. Tja. An den größer werdenden Abständen der Einträge sieht man schon, dass sich Gewohnheit einstellt. Nicht mehr alles, was passiert, scheint erwähnenswert. Aber heute ist es endlich mal wieder an der Zeit, die letzten 4 Wochen zu resümieren. Was ist passiert? Baakirs Wunde heilte nur langsam, da er bei Spaziergängen regelmäßig auf Hunde traf und tobte. Durchaus nicht mehr so krass wie anfangs, aber noch intensiv genug, um die Wunde wieder einreißen zu lassen. Die Spaziergänge waren etwa 2 Wochen lang wesentlich kürzer. Als alles verheilt war, wurden sie wieder länger. Draußen wurde der Frühling immer wärmer und mit ihm mehrte sich der Publikumsverkehr am Wochenende. Mehr Menschen, mehr Hunde, mehr Radfahrer. Wir fingen an, Baakir grundsätzlich bei Fuß gehen zu lassen, wenn uns jemand begegnete. Dabei war es egal, ob es sich um Spaziergänger mit oder ohne Hund handelte, um Radfahrer oder um Autos. Es soll lernen, in solchen Situationen neben uns zu laufen, damit er später auch kommt, wenn er dann doch mal frei laufen darf. Für diesen Sommer haben wir das aber erstmal nicht vor. Dazu reagiert er bei Hundetreffen zu unvorhersehbar. Vor zwei Wochen war ich diesbezüglich auch noch einmal richtig frustriert, weil ich auf dem Weg von der Wohnung zu meinen Eltern gleich drei Mal mit Baakir rangeln musste. Ein Test zeigte aber, dass er sich von Leckerlis tatsächlich erfolgreich ablenken lässt und die bellenden Hunde hinterm Zaun entsprechend uninteressant findet. Und nachdem ich mich abgeregt und eingesehen hatte, dass er eben erst drei Monate bei uns ist und es erst lernt, und nachdem ich erneut beschlossen hatte, ihm noch bis Januar Zeit zu geben, mir zu beweisen, dass wir ihn nicht kastrieren lassen brauchen, wurde alles kontinuierlich entspannter. Baakir bekommt jetzt grundsätzlich Leckerlis, wenn wir Hunde treffen. Egal, ob weiblich, männlich, kastriert oder nicht. Und diese Methode funktioniert tatsächlich. Er dreht nur noch seltenst durch und selbst dieses Durchdrehen ist wesentlich entspannter als früher. Ich muss zugeben, dass meine inzwischen wieder vorhandenen Oberarmmuskeln auch nicht unwesentlich dazu beitragen, ihn halten zu können. Aber grundsätzlich empfinde ich Spaziergänge als sehr entspannt. Mittlerweile kennen wir so viele Hunde, dass ich sie schon nicht mehr aufzählen kann. Mika haben wir seit Einführung der Leckerli-Methode zwar noch nicht getroffen, aber ich seh dem schon fast sehnsüchtig entgegen. Ansonsten: Baakir quietscht nach wie vor gern und viel in den Tag hinein. Waren heute in Bogensee und sobald er mal fünf Sekunden stehen sollte, war es für ihn schon wieder zu viel. Hm. In Bogensee bin ich aber gern mit ihm, weil da scheinbar null Hunde sind. Jedenfalls kann man ihn da auch echt mal mit der Schleppleine rennen lassen, ohne Angst haben zu müssen. Find ich gut. Er kuschelt gern mit uns, er sabbert oft, er begrüßt uns überschwenglich und weckt uns morgens mit unruhigem Rumgetapse zwischen Wohn- und Schlafzimmer. Soweit so gut. Es wird im Grunde täglich besser. Wir wachsen langsam aber sicher zusammen. Und letztes Wochenende hab ich ihn zum ersten Mal schwimmen sehen. :-) | ||
![]() |
![]() |
![]() |
Donnerstag, 18. Juni 2009 Kinder, wie die Zeit vergeht. Seit Wochen schiebe ich es vor mir her, mal wieder Tagebuch zu schreiben. Es gibt kaum noch was zum Thema "Eingewöhnen eines erwachsenen Hundes" zu sagen. Vielmehr erzähle ich einfach nur, wie es ihm geht. Die Abstände der Einträge werden wirklich immer größer und eigentlich heißt das nur, dass nichts Dramatisches passiert. Dramatisches nicht, nein, eher sehr viel Schönes. Marko und ich wachsen mit Baakir zusammen. Einen besonders großen Schub in dieser Richtung hat uns der Dänemark-Urlaub vor zwei Wochen gegeben. Wir waren mit 5 Freunden in einem Haus mit 5000 qm Grundstück. Die nächsten Nachbarn waren ein paar hundert Meter weit weg, vorm Haus eine kaum befahrene Straße, hinterm Haus eine riesen Rasenfläche und am Ende die Ostsee. Ein Segen. Und ideale Chance für uns, Vertrauen in Baakir aufzubauen. Also war er praktisch die ganze Woche frei. Er trullerte im Haus rum und im nicht umzäunten Garten. Er hat nicht mal versucht, abzuhauen und zu stromern. Vielmehr klebte er die ganze Zeit an uns dran. Er ging mit Marko laufen, mit uns allen spazieren, schwamm in der Ostsee, spielte mit uns allen Stock holen und Frisbee, oder, was er richtig toll fand, jagte Markos Lenkdrachen. Der schnurrte lautstark durch die Luft und Baakir rannte stundenlang bellend hinterher. Völlig fertig lag er dann abends in seinem Körbchen und schlummerte. Nur um uns alle am nächsten Morgen wieder mit einem fröhlichen Grinsen und Niesen zu begrüßen. Ein Segen jedenfalls. Baakir vertraut uns nun noch mehr und wir ihm. Von wegen "nächsten Sommer soll er frei laufen". Das machen wir jetzt schon. Bei Spaziergängen lassen wir ihn jetzt immer öfter frei rumlaufen. Sobald er auf Zuruf kommt oder einfach nur zu uns kuckt, gibt's ein Leckerli. Und da er gerne nascht, kuckt er oft und hört ziemlich gut. Manchmal nimmt er Fährten auf und verschwindet 10 Minuten im Unterholz, so wie gestern. Das macht mich mittlerweile nicht mehr nervös. Er kommt ja wieder. Bei meiner Hündin Tapsy hatte ich auch all diese Sorgen gehabt, nur nach 16 Jahren war sie halt alt und rannte nicht mehr weg. Ich erinnere mich dann eben eher an die letzte Zeit und die war eben geprägt davon, ein eingespieltes Team zu sein. Mit Baakir kommen wir da auch noch hin, das zeigt sich immer deutlicher. Und bis dahin wird es immer wieder nervenaufreibend sein. Letztens traf Marko zum Beispiel den Ridgi-Rüden Aris im Wald. Der reagierte nicht auf sein Herrchen und rannte unbetrübt auf Baakir zu. Marko war nervös, hatte Angst vor einem Zwischenfall wie mit Oskar. Doch Aris' Besitzer bat nur, Baakir auch loszulassen. Die zwei würden das schon klären. Taten sie auch. Ne knappe Minute ging es heiß her, dann gab Baakir klein bei und beide gingen friedlich ihres Weges. Hm. Und irgendwie so wird es wohl auch am Sonntag laufen, wenn ich mit Kiri nochmal auf den Labrador Sammy treffen werde. Mit dem waren wir vor drei Wochen schon mal spazieren. Eigentlich war es ähnlich wie mit Oskar: Erst hat Baakir Scheibe gespielt. Und nachdem er einige Minuten still warten musste, war er gelangweilt von dem anderen Hund und wir konnten ewig nebeneinanderher spazieren. Am Sonntag werden wir es ohne Leine testen. Wird schon schief gehen! | ||
![]() In Dänemark hatte Baakir ... |
![]() ... seinen Spaß mit uns ... |
![]() ... und wir mit ihm. |
![]() | ||
Sonntag, 21. Juni 2009 Erfolgreicher Tag. Völlig aufgewühlt ging ich in das Hundetreffen hinein. Treffpunkt war der Wald beim Bello Inn. Yvonne kam uns mit ihrem Labrador Sammy entgegen. Wir hatten vereinbart, dass beide Hunde bereits frei laufen, wenn sie aufeinander treffen. Mich machte das nervös, weil Baakir ja noch nicht lange frei laufen darf, weil wir dabei noch nie absichtlich einen Hund getroffen haben, und weil ich nicht wusste, wie Baakir sich verhalten würde. Dann kamen uns Yvonne und Sammy entgegen. Beide Hunde sollten noch eine Weile bei Fuß bleiben, bis sie zueinander laufen dürfen. Baakir fixierte Sammy, blieb aber artig neben mir. Sammy tänzelte vor Yvonne hin und her, blieb aber in der Nähe. Dann durften beide losrennen und taten das. Schwänzelnd umkreisten sie sich. Sammy forderte zum Spiel auf, Baakir knurrte. Stille. Beide Hunde liefen zu ihren Leuten. Dann drehten sie wieder um und liefen aufeinander zu. Sammy sprang Baakir an, um mit ihm zu spielen. Baakir wies ihn knurrend, kurz und bestimmt zurück, drückte ihn kurz auf den Boden und Sammy gab nach. Das war's. Ne Minute oder zwei hat das Ganze bloß gedauert. Und anschließend liefen wir fast 2 Stunden lang durch den Wald. Beide Hunde trullerten ohne Leine rum, stürmten mal kurz in den Wald, kamen wieder zurück, hörten sofort, als ein Försterauto kam. Ein Segen, ein Segen. Dass es so harmonisch sein würde, hätte ich nie gedacht. Ich habe jetzt noch viel mehr Vertrauen zu Baakir, einfach so, von heute auf morgen. Als ich nachmittags noch mit Eve eine Runde drehte, lief Baakir schon ohne Leine los und erst später nahm ich ihn an die Leine. Er hört wirklich gut. Kommt meist direkt auf Zuruf zurück und holt sich sein Leckerli ab. Brotkrumen sind das. Wir haben gemerkt, dass er auf die super reagiert. Immerhin hatte er ja auch schon etliche Brote geklaut. Erst letzte Woche fragte Marko: "Sag mal, hast Du das Mehrkornbrot aufgegessen?" - "Nee. Wieso?" - "Dann war's Baakir. *grummel*" Tja, so ist er halt. Den Waldspaziergang heute hat er sichtlich genossen, er rannte total fröhlich durch die Landschaft und endlich weiß ich, er kann mit Hunden. Er muss eben doch nur die Rangordnung klären dürfen. Ein Segen. Freu mich schon auf die nächste Zeit. Samstag, 27. Juni 2009 Wenn man sich mal die Einträge vom Anfang durchliest und sie mit der aktuellen Situation vergleicht, dann kann man echt stolz sein auf Baakir. Der hat sich wirklich gemausert. Das Hundetreffen löst in uns und ihm nicht mehr totale Panik aus. Im Gegenteil, Marko und ich gehen immer gezielter in solche Situationen hinein. Heute hab ich unseren Nachbarn gefragt, ob wir seinen Golden Retriever Mika und Baakir in Zukunft wieder gezielter aufeinander treffen lassen wollen. Bis dato sind wir uns irgendwie weiträumig aus dem Weg gegangen. Mittlerweile ist Baakir bei Hundebegegnungen zwar nicht ausnahmslos perfekt artig, aber immerhin größtenteils ruhiger und entspannter. Er kuckt, ist auch noch angespannt, wendet sich in seiner Aufregung dann aber doch schneller an uns, kuckt nach Leckerlis. Auch insgesamt vertraut Baakir uns viel mehr als noch vor Monaten. Wenn er was am Ohr hat oder ne Zecke, lässt er sich ohne Probleme "behandeln". Wir können ihn hochheben, ohne dass er zappelt. Das ist mir wichtig, weil er irgendwann mal alt sein wird. Unser Vertrauen zeigt sich darin, dass wir ihn immer wieder in neuen Situationen Chancen geben. Manche nutzt er, andere nicht. Aber das ist ja klar. In jedem Fall sieht man eine stetige Verbesserung. Zweimal schon hab ich Baakir von der Leine abgemacht, als uns August entgegenkam, der Hund aus unserem Haus. Baakir lief dann angespannt und zügig auf ihn zu. Und als August unbeteiligt weiterlief, markierte Baakir den nächsten Busch und entspannte, lief fröhlich, locker zu August. Beide schnupperten und fertig. So kann es laufen. Aber auch anders. Nicht allen Hunden gegenüber ist er so. Letzten Donnerstag war ich in Berlin an der Spree entlang spaziert. Die ersten 5-6 Hunde, die uns in unterschiedlichen Distanzen begegneten, nahm Baakir interessiert aber völlig entspannt zur Kenntnis und kuckte immer wieder, ob er ein Leckerli dafür bekommt. Bekam er. Später trafen wir einen kleinen angeleinten Hund, dessen Besitzer lief direkt auf uns zu. Ich fühlte mich unwohl darüber, aber da Baakir bis dato so friedlich war, dachte ich "ok". Denkste, Baakir schnappte direkt zu. Das Herrchen fing an, zu schreien und an der Leine seines Hundes zu zerren. Im Endeffekt hab ich mit den Händen Baakirs Maul geöffnet. Der andere Hund hatte null Verletzungen, nur einen angesabberten Nacken. Was lernen wir daraus? Baakir beißt nicht, er schnappt. Er verletzt den anderen Hund nicht, weder den in Berlin noch Oskar. Es sieht alles ganz dramatisch aus. Ist es aber im Endeffekt doch nicht. Und das Rumgeschreie der Menschen spult die Situation wohl wirklich noch auf. Bei Oskar schrie ich, in Berlin schrie der Mann. Man sollte wohl wirklich einfach die Hunde machen lassen und still sein. Bloß nicht eingreifen. So wie Marko bei dem Aris-Treff und ich bei Sammy. Und schließlich lief Baakir zwei Tage später dann auch wieder ohne Leine und friedlich zu August. Außerdem zeigt die Situation, dass Baakir irgendwie nicht wirklich nachvollziehbar reagiert. Erst lässt er die Hunde in Ruhe, dann plötzlich schnappt er. Wahrscheinlich ist sein Schema wirklich, dass er sich von zügig auf ihn zulaufenden Hunden bedroht fühlt. Gleichgroße Hunde versetzen ihn in Aufregung, aber das Vorbeigehen wird immer entspannter. Was kleine Hunde angeht: Kastrierte sind kein Problem, nicht kastrierte versetzen ihn in Aufregung. Manchmal stellt er bei vorbeilaufenden Hunden erst nach großer Aufregung fest, dass es weibliche Hunde sind. Mit denen kann er dann plötzlich ganz fröhlich, aber dennoch aufgekratzt umgehen. Dann rangelt er nicht mehr, sondern markiert eifrig Büsche und beschnuppert die Damen. Bin mir mittlerweile sicher, es liegt wirklich an der mangelnden Sozialisierung. Er muss einfach kontinuierlich auf Hunde treffen. Üben, üben, üben. Es muss für ihn normaler werden, Hunde zu treffen. Und ansonsten: Ist und bleibt er ein Rüde und wird auch weiterhin seine Rangeleien haben. Damit arrangiere ich mich gerade. Genauso wird er auch immer wieder ins Unterholz abhauen, wenn er was wittert. Dann rennt er im 100m Radius um einen herum, kommt aber nach 5-10 Minuten wieder an. Man sieht, wenn er was wittert und muss dann einfach nur den richtigen Moment abpassen, ihn anzuleinen. Beim nochmaligen Lesen der bisherigen Einträge stelle ich fest, dass wir unsere Ziele "nicht ziehen" und "ruhig an anderen Hunden vorbeilaufen" zwar fest vor Augen haben und auch nicht abwandeln, aber dass wir in der Strategie dorthin wenig konsequent waren, viel ausprobiert haben. Mittlerweile haben wir feste Methoden, wie wir vorgehen. Und dennoch sind wir offen, Neues auszuprobieren. Insofern bin ich zuversichtlich. Freitag, 3. Juli 2009 Die letzten drei Tage waren sehr schön. Dienstag war ich abends mit einer Freundin zum Baden verabredet. Am Liepnitzsee trafen wir mit Baakir auf Sammy und seine Leute. Die Hunde waren beide erst angeleint und drehten mal wieder ab. Später waren sie aber frei und schwammen Bällen hinterher. Alles sehr harmonisch. Baakir war sehr artig. Tags drauf war ich mit Marko und Baakir schwimmen. Erst hatte sich Baakir zimperlich und traute sich nicht, zu schwimmen. Ich rief ihn wiederholt und schließlich schwamm er dann doch zu mir raus auf den See. Auf seinem Rückweg zum Ufer fiel ihm eine Ente auf, auf die er dann auch direkt zusteuerte. Die Ente schwamm zügig weg, Baakir hinterher. Die Ente schwamm auf den See hinaus, Baakir hinterher. Sie flog ein Stück, Baakir prustete schon, aber folgte ihr dennoch. Dann flog die Ente einmal quer über den See zu einem entfernteren Ufer. Baakir setzte an, ihr zu folgen. Dann reagierte er aber endlich auf unsere unaufhörlichen Rufe und kam völlig fertig am Ufer an ... aber nur, um gleich wieder ins Wasser zu hopsen, in der Hoffnung, jemand werfe ihm einen Ball. Der hat'n Knall. :) Gestern waren wir dann natürlich auch wieder schwimmen und heute haben wir es noch vor. Baakirchen ist da echt scharf drauf. Das freut. Gestern hat Marko ihn am Fahrrad laufen lassen, was auch ganz gut ging, solange keine Hunde kamen. Das ist aber auch wieder nur ein Teil der ganzen Hunde-Toleranz-Übung. Insgesamt ist er da wirklich entspannter als noch vor Monaten. Am Dienstag mussten wir nämlich auch an einem Tross Welpen vorbei, und Baakir blieb trotz deren Gebell und trotz des Hundes, der hinter uns am Zaun hin und her rannte, erstaunlich ruhig in seiner Aufregung. Er zerrte mich nirgends hin und wirkte einfach nur verunsichert, nervös. Wird schon. ![]() Dienstag, 4. August 2009 Dinge trugen sich zu. Baakir war des Öfteren schwimmen. Auch ein weiterer 2h-Stunden-Spaziergang mit Sammy fand vor ca. 3 Wochen statt. Beide rannten ohne Leine und sehr harmonisch in der Gegend umher. Baakir forderte ihn sogar zum Spielen auf und rannte mit ihm um die Wette. Das war ein schöner Anblick. Ein weiterer Oskar-Treff hatte eine Woche vorher stattgefunden. Da war Baakir erstaunlich ruhig näher an ihn herangegangen, so dass wir schon dachten, alles sei gelöst. Aber nee. Kaum waren die zwei dichter als einen Meter spulten sie sich auf. Ich finde mittlerweile, die zwei sollten mal ohne Leine ihre Rangordnung testen. Ulli traut Baakir aber nicht. Also Leinenzwang für ihn. Halb so wild, weil Ulli eh voll selten draußen ist und wir Oskar daher nicht so oft treffen. Träfen wir ihn öfter, würden sich die zwei meiner Meinung nach schnell aneinandergewöhnen. Aber so ist auch egal. *schmunzel* Baakir wufft und brummelt gerade im Schlaf. Es ist 4 Minuten vor Mitternacht. Wir lieben das, wenn er träumt und wufft. Insgesamt fiel Marko und mir diese Woche auf, dass Baakir seit ca. 4 Wochen eigentlich bei jedem Spaziergang frei läuft. Nicht ununterbrochen, aber doch immer öfter und immer längere Strecken. Er reagiert meist sehr gut auf unser Rufen und holt sich seine Belohnung ab. Manchmal kommt er auch ohne Aufforderung und hofft, dafür ein Stück Brot zu kassieren. Manchmal lass ich mich erweichen, aber meist geb ich dieser Art von Betteln nur mit einem Streicheln und Lob nach. Letztens war ich mal nachts zur Sparkasse gestiefelt, da war er den kompletten Weg ohne Leine. Bei Straßen lief er artig bei Fuß und beim Geldabheben lag er brav neben mir. Jedenfalls ist das Freilaufen für uns genauso toll wie für ihn. Wir müssen nicht die Leinenführigkeit durchsetzen und er kann einfach mal sprinten. Gern holt er auch einen Stock. Und ich versteck mich supergern vor ihm, dann prescht er an einem vorbei und wenn er einen dann doch findet, dann grinst er immer. Und das uns, die wir im Januar noch dachten: "Naja, Hauptsache er zieht nicht an der Leine. Dann läuft er eben nicht frei." *hüstel* Ja genau. Mit Geduld und Spucke machen wir aus Kiri noch den Klassenliebling. Bellende Hunde hinter Zäunen ignoriert er nämlich auch immer öfter. Vor zwei Tagen hab ich morgens einen Schäfi getroffen, Baakir hat ihn bloß angekuckt, der Schäfi uns auch. Der lief neben seinem Herrchen weiter, Baakir blieb total ruhig neben mir. Und ein paar Minuten später trafen wir dann die alte Hündin Daisy. Da hab ich Baakir dann abgemacht und er konnte bissel flirten. Sie fand das irgendwie charmant, aber er ist ihr deutlich zu jung. *schmunzel* | ||
![]() | ![]() |
![]() | ![]() | ![]() |
Montag, 2. März 2010 Neues vom Kiri Streich(el)käse! Der letzte Eintrag ist viele Monde her. Grund war ein Vorfall Anfang August, der mich völlig aus dem Freudestaumel und den Lobpreisungen für Kiri herausriss. Marko und ich waren an einem Freitagabend joggen, also er lief mit Baakir, ich radelte nebenher. Irgendwie war die Stimmung sehr angespannt. Kiri hat das übernommen und benahm ich entsprechend doof. Als wir dann irgendwann heimwärts unterwegs waren, passierten wir auch das Haus, wo der Mischlung Timmi wohnt. Baakir kannte den zwar schon und hatte sich zwei-dreimal gut mit ihm verstanden. Heute nicht. Baakir war angespannt, weil wir angespannt waren und als Timmi bellend auf uns zurannte, potenzierte sich Baakirs Aufregung, weil er zudem nicht im Schritt lief sondern rannte. Und wie wir mittlerweile wissen, behagt es ihm gar nicht, wenn sich ihm bellende Hunde schnell nähern. Baakir wird nervös, Baakir schnappt zu. So auch bei Timmi. Da wir das gerade bei Timmi, den er wie gesagt schon kannte, überhaupt nicht erwartet hatten, blieben wir erstmal geschockt stehen. Timmis Besitzer entschied sich dann, Timmi aus Baakirs Maul zu zerren und uns für unfähige Hundehalter zu erklären. Er sagte was von verklagen und drohte böse. Um seinen Hund kümmerte er sich nicht. Marko und Baakir schickte ich dann heim, weil sich mittlerweile auch ein Nachbar in den Männerstreit eingemischt hatte und die Gemüter nur höher schwappten. Ich begleitete Timmi zum Tierarzt, denn wie sich herausstellte, hatte er eine große klaffende Wunde am Hals. Sein Besitzer hatte einen Biss am Finger, von welchem Hund wissen wir nicht. Wir glauben aber, dass es Timmi war, der in seiner Angst nach allem schnappte, was ihn berührt. Baakir hatte ja eigentlich schon was anderes im Maul ... Egal. Es war auf jeden Fall ein Schock, ein Einbruch in das gewachsene Vertrauen in Baakir und auch Angst, was aus Timmi wird. Nach einer Woche war klar, dass Timmis Wunde gut heilen würde. Allerdings waren wir immer noch verstört und auch in der Nachbarschaft sprach sich die Anekdote herum. Baakir hatte erstmal Leinenzwang und alle geplanten Hundetreffen mit Freunden habe ich erstmal abgesagt. Ich hatte kurz vorher erst bei unserem Nachbarn mit dem Goldi und unseren Gegenübernachbarn mit dem Mischlingsrüden angefragt, ob wir die Hunden mal von den Leinen abmachen wollen. Das fand erstmal nicht statt. Ende August entspannte sich die Lage. Ich fing an, Baakir wieder von der Leine abzumachen. Ihm Vertrauen zu zeigen, dass er nutzen sollte. Er tat. Und auch alle Freunde mit Hunden, denen ich die Story als Warnung erzählt hatte, zeigten sich einsichtig und durchaus bereit, Baakir weiterhin zu ihren Hunden zu lassen. Sehr beruhigend. Und berechtigt. Im September war ich zwei Wochen verreist und ließ Marko und Baakir alleine. Als ich wieder kam, war Baakir so glücklich über unser Wiedersehen, dass er eine halbe Stunde lang Atemnot hatte. Das war echt süß. Ein großer Liebesbeweis. :-) Als Belohnung fuhren Marko und ich zwei Wochen mit ihm umher. Wir waren in Sachsen und Baden-Württemberg bei meinen Verwandten. Baakir traf auf Kleinkinder und spielte ausgelassen und doch vorsichtig mit ihnen. Es war wunderbar beruhigend zu sehen, wie entspannt das alles ablief. Er rannte ohne Leine über die schwäbische Alb und kam auf Zuruf sofort zurück zu uns, auch wenn sich am Horizont schon Hunde zeigten. An der Leine an ihnen vorbei zu gehen, verlief mal ruhig, mal laut. Aber die Situationen waren kontrollierbar. Völlig okay. Am Ende waren wir noch 5 Tage mit ihm im Böhmerwald in Tschechien zelten. Es war wunderbar. Wir waren hier Ende September die letzten auf dem Zeltplatz vor der Winterpause. Kiri konnte die ganze Zeit frei rumrennen, im Fluß herumtapsen und die Landschaft anschauen. Abends lag er ne Weile am Lagerfeuer, winselte dann aber bald, weil er ins Zelt wollte. Und während wir noch das Feuer genossen, hörten wir aus dem Zelt nur das zufriedene Brummeln und Schnurren des dick in Decken gehüllten, in sein Körbchen gekuschelten Kiri. Kalte Nächte, sehr kalt. Naja, Ende September. Aber Kiri war ja dick eingemummelt und sein Korb stand direkt neben unserer Luftmatratze, damit wir alle gegenseitig das Zelt wärmen. Morgens kuckte er dann immer ganz verschlafen, ob wir schon wach sind. Es war superschön und entspannt. | |
Rumtrullern und Schlummern in Tschechien. Sieht wirklich aus, als wäre er erst 2 Jahre alt. | |
Wieder daheim war der Oktober da und die Bindung mit Baakir so wie nach der Dänemark-Reise ein Stück enger. Ich ging viel in den Herbst hinein spazieren und öfter kamen der kastrierte Labrador Sammy und seine Besitzerin mit. Und so ist es eigentlich bis jetzt geblieben. Ich habe großes, großes Vertrauen in Baakir. Er ist bei jeder Gelegenheit ohne Leine unterwegs. Diverse Hündinnen hat er schon ins Herz geschlossen, bei allen versucht er sein Glück. Meist wird er als zu aufdringlich empfunden, was ihn aber wenig stört. Er ist ein Draufgänger und gibt nicht auf. Um so schöner ist es, zu sehen, dass er trotzdem zu mir kommt, wenn ich weitergehe und ihn rufe. Bei Rüden ist noch immer Leinenzwang angesagt, aber selbst das geht schon recht problemlos. Manchmal tobt Baakir noch stark. Aber im Vergleich zum Anfang ist sein Umgang mit Hunden wesentlich entspannter mittlerweile. Was Sammy angeht ... Baakir liebt ihn. Mittlerweile versucht er immer, ihn als Hündin zu sehen. Die Spaziergänge sehen daher recht seltsam aus ... Der Winter mit Baakir war total schön. Hatte mir dieses Jahr Schuhe mit Profil besorgt, sodass Kiri mich nicht durch die Gegend schleifen konnte. Im verschneiten Wald hatte er fast täglich sein Workout. Er hopste durch Schnee, der ihm bis zur Brust reichte und rannte aufgeregt Stöckern hinterher. Außerdem ist sein Geltungsdrang im Winter besonders auffällig, denn Markierungen beider Art setzt Baakir am liebsten auf dem Gipfel von Schneebergen ab. Sieht schon recht amüsant aus, wenn so ein gepunkteter Hund auf dem Gipfel eines 1m hohen Schneebergs sein Geschäft verrichtet. Im Wald war er mitunter auch kaum zu sehen mit seiner Tarnfarbe. Weißer Boden, schwarze Bäume. Wo ist Baakir? Mich hat er allerdings genauso oft gesucht, denn ich versteck mich ständig beim Spazieren. Und ich liebe es, ihm dann zuzusehen, wie er aufgeregt hinter alle Bäume schaut, ob ich da bin. Bis er mich findet, dann kommt er grinsend angerannt. Nur um gleich wieder davon zu hopsen. Alle Leute stufen ihn als Zweijährigen ein. Dabei wird er in etwa einem Monat 8 Jahre alt. Über ein Jahr ist er jetzt bei uns und fühlt sich sichtlich wohl. Der Frühling kann kommen. Und in den nächsten ein-zwei Jahren wird er wohl auch den Umgang mit Rüden noch lernen. Freu mich drauf. | |