Bio-Gänseblümchencreme Es trug sich zu, dass ein kleines Mädchen mit seinen beiden besten Freundinnen spielte und man beschloss, es sei Zeit, eine eigene Kosmetik-Linie zu begründen. Zugegeben: Ja, es handelte sich bei dem kleinen Mädchen um mich selbst. Es war wohl in den Sommerferien zur sechsten Klasse, also 1992. Auf jeden Fall kannte ich Conny schon. Wenn ich es recht bedenke, war ich mit meinen 11 Jahren dann wohl doch nicht mehr so klein, wie ich es immer in Erinnerung hatte. Das macht die ganze Geschichte nicht wesentlich weniger peinlich, aber ich werde sie dennoch erzählen. Ich hatte also beschlossen, selbst Kosmetik herzustellen. Das erste Produkt für diese große Karriere sollte eine Creme sein. Gute Idee, aber wie? Nun, zunächst einmal ist Creme ja meist weiß, also brauchte ich einen weißen Grundstoff, den ich mit einem guten Duft anreichern konnte. Meinem kindlichen Gehirn fiel spontan nur eine weiße Grundsubstanz ein: Milch. Also nahm ich unbemerkt einen Liter Milch aus dem elterlichen Kühlschrank und stiebitzte auch gleich einen Topf. | ||
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Da schwamm sie nun, meine Creme-Grund-Substanz. Was war als nächstes zu tun? Man musste einen Duft kreieren. Da ich immer schon sehr für Gänseblümchen schwärmte, schwärmten Conny, Yvonne und ich hinaus in den Garten und sammelten Gänseblümchen-Blüten. Wir zupften die einzelnen Blütenblätter ab und gaben sie unbehandelt, d.h. ungewaschen, ungekocht, ungeirgendwas in den Topf voller Milch. Das ganze roch etwas bizarr, aber nicht schlecht. Es gab jetzt eigentlich nur noch ein Problem: Wie macht man aus dieser Blümchen-Milch eine streichzarte Creme? Hm?! Nun ja, ich weiß nicht mehr genau, wie das kam, aber im Endeffekt hatte ich wohl beschlossen, dass es am besten sei … zu warten. Warten bis die Milch fest wird. Wahrscheinlich hatte ich daran gedacht, dass es schon vorgekommen war, dass meine Mutter Milch wegschüttete, die irgendwie dicklich war. Offenbar hatte ich mir aber nicht gemerkt, dass diese Milch einen besonderen Geruch hatte. | |
| Bellis perennis, das gemeine Gänseblümchen, ist ein gern gesehener und bekannter Gast auf jeder mitteleuropäischen Rasenfläche. | ||
Conny und Yvonne waren also heimgegangen und ich hatte die Gänseblümchen-Milch erstmal oben auf dem Schrank zwischengestellt. Halb vergessen, halb verdrängt (denn immerhin war die Aktion ja nicht direkt von Erfolg gekrönt gewesen) stand der zukünftige Creme-Topf also erstmal da oben.
Die Wochen strichen dahin und ich sah hin und wieder nach, ob sich die Substanz schon in eine cremige Richtung entwickelte. Zu meiner Enttäuschung tat sich nichts. Wohl aber häuften sich die verunsicherten Kommentare meiner Schwestern und meiner Mutter. Sie nahmen den immer bizarrer werdenden Geruch in meinem Zimmer durchaus deutlich wahr und fragten sich, woher er stammen könnte. Ich schwieg. Firmengeheimnis sozusagen. Denn ich hoffte immer noch auf ein erfolgreiches Ende. Irgendwann war es dann aber auch für mich nicht mehr ertragbar. Als meine Mutter wieder einmal nach meiner Vermutung für den Geruch in meinem Zimmer fragte, gestand ich ihr mein Karrierevorhaben und holte den Topf vom Schrank. Der Inhalt ähnelte mittlerweile einer gelblich-weißen Brühe mit Klümpchen und stank bestialisch. Ein kurzer Hechtsprung hinüber ins Bad, ein Schwapp ins Klo, ein Zug an der Spülung und mein Kosmetik-Imperium ging den Abfluss hinunter. Ich habe es seither nie wieder versucht. Wohl zum Glück meiner Mitmenschen. Denn auch bei Aufwendung aller Kräfte hätte es bei meiner Kosmetik wohl nichts gebracht, "alle Düfte zu verbessern" wie AXE es derzeit umwirbt. |
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– gea – |
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(September 2007) |
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