Was man nicht weiß, macht einen heiß Na ja, das trifft jedenfalls auf mich zu. Zumal mein Interesse am dumm sterben mehr als gering ausfällt und ich deswegen auch um keinen noch so fragwürdigen Gedanken verlegen bin. Ein guter Freund von Gea, der zufälligerweise auch mein bester Freund ist und an dieser Stelle bestimmt ungenannt bleiben will, kann das bestätigen. Dazu befragt würde er vermutlich ein knappes HA!-Lachen von sich geben und mich mit „Aber das macht in meinem Kopf keinen Sinn!“ nachäffen. Was so was angeht, kann ich zugegebenermaßen eine ziemlich penetrante Beharrlichkeit an den Tag legen. Nehmen wir zum Beispiel einen meiner ranghöchsten Top-Verwirrer: Klobrillen made in USA. Da man an amerikanischen Filmen über kurz oder lang eh nicht vorbeikommt, wird der wirklich aufmerksame Betrachter mal einen sekundenlangen Blick auf so ein Ding geworfen haben. Das Erstaunen hat seinen Ursprung im Detail: Im Grunddesign ähnlich oval und dezentfarben wie es der europäische Verbraucher kennt und schätzt, aber was ist das dort im vorderen Teil … ein Stück vom Qualitätsplaste fehlt! Und schon zucken meine hauseigenen Hirndrähte: | |
![]() | Wie kann das sein? Was soll der Quatsch? Warum durfte der Erfinder damit durchkommen? Gab’s darauf etwa ein Patent? Will da ein Volk wieder auf Biegen und Brechen exzentrisch sein? Hat das physikalische Begründungen? "Dadurch wird die Spannung innerhalb des Sitzrings verringert, sodass die Zerstörung einer schwungvoll heruntergeknallten Klobrille dauerhaft um durchschnittlich 35,7% gesenkt wird." Oder sogar hygienische? "Mithilfe unserer 8-jährigen Klobrillenstudie haben wir feststellen können, dass der vordere Brillenrandbereich hygiene-technisch am gefährdetsten ist. Darum raten wir den Herstellern, diesen Teil einfach wegzulassen. Zudem ist es eine supergeile Verarsche all jener Trottel, die sich dann darüber den Kopf zermatern werden, da sie ganz offensichtlich kein Leben haben!" |
| Der Teufel steckt im Detail: meine Klobrille, US-amerikanische Klobrille (v.l.n.r.). | |
Also mal ehrlich: Wo ist da der Sinn? Als mir Gea damals bei einem Spaziergang das erste Mal ein indisches Klo beschrieben hat, starrte ich sie mit schreckgeweiteten Augen an. Eine Erdbodenskizze und einige detaillierte Erklärungen später schloss sich der Kreis meiner Sanitärlogik dann aber doch. Die Darm- und Blasenentleerung in Hockposition kommt selbst dem sitzverwöhnten Wohlstandsbürger bekannt und natürlich vor. Hocken ist hygienischer (kein versiffter Sitz = keine Keimattacke deluxe) und man spart an Kosten (Keramik gibt’s nirgends gratis). Wir sehen also, der Inder weiß, was er an seinem Klo hat! Aber weiß es der Amerikaner? Müssen ihn bei der Einführung des stückelosen Modells nicht auch die oben genannten Fragen gequält haben? Fragen wir also nach! Eine gute Freundin von Gea und mir wohnt seit einigen Jahren in den Staaten. Verzweifelt jede Aufklärungsquelle nutzend bat ich sie einmal, mir doch bitte den Sinn zu erläutern. "Also darüber habe ich ehrlich gesagt noch nie nachgedacht." - "Aber da muss einer sein!" - "Keine Ahnung." - "Dann frag’ mal bitte vor Ort nach und mail’ mir die Antwort!" Daheim wussten sie aber auch nichts Näheres …
Ähnlich einschüchternd wirkten die Dubliner Fußgängerampeln auf mich. Aufgestachelt von meiner realen Anwesenheit in einem Land, das ich seit Jahren bereisen wollte, eilte ich halb kreischend halb geifernd durch die Straßen. An einer Kreuzung gebot schließlich eine Ampel einen Moment des geduldigen Verharrens. Die Menschenmasse vor mir blieb stehen und ich tat dergleichen als mein Blick plötzlich an den Ampellichtern hängen blieb. Was zum Teufel … ein gelbes Licht? Wozu brauche ich als Fußgängerin ein gelbes Licht? schoss es mir sofort durch den Kopf. Was wurde von mir erwartet, wenn die Gelbphase eintrat? Die Autofahrerin in mir kannte diese natürlich. Die belenkradte Conny weiß je nach Vorfarbe: zum Weiterfahren bereit machen oder mit sanftem Bremsen beginnen (bzw. das Gaspedal bis zum Anschlag runterrammen und dabei das Fehlen von Blitzer und Polizeiwagen manifestieren). Lass dir was einfallen, du Trine! Plan A sah die hoffnungsvolle Suche nach dem britischen LOOK LEFT vor, da sich der Anblick gewohnter Dinge bekanntlich beruhigend auswirken soll. Aber da stand nix. Also weiter Panik schieben. Ein Koffer wäre jetzt gut gewesen, denn den hätte ich abstellen und wieder hochheben können. Oder war mit gelb gemeint, ich solle auf der Stelle treten - meine Beinmuskulatur quasi geschmeidig halten, damit ich meinen aktuellen Zügiglauftrupp nicht durch unnötige Unfälle zum Erliegen brachte? Idiotin! Plan B bestand aus der Beobachtung der Mitpassanten. Die verhielten sich allerdings mehr als unauffällig und offenbarten somit überhaupt keine Erklärungsansätze. Ein Plan C war unnötig, da wir mittlerweile bei grün angekommen waren und ich nur noch mit dem Strom dahin gleiten musste. Bei jeder neuen Ampel überkam mich die gleiche überforderte Verhaltenspanik. Mein geheimer Auklärungstrumpf war dieses Mal mein anderer bester Freund Brian. Dieser verharrte bei einem neuerlichen Ampelstopp auf dem Weg zum Hotel neben mir und ich nutzte die Gunst der Minute. Achselzucken gepaart mit "Gute Frage, nächste Frage!" war die Antwort. - "Aber …!" Manche Dinge soll man vielleicht nicht verstehen – oder noch besser: Gar nicht erst darüber nachdenken. Deswegen muss man ja nicht gleich Dan Brown anrufen! Einfach mal relaxen! Nicht alle Klobrillen dieser Welt müssen so aussehen wie meine. Und wer weiß, wozu so ein gelbes Fußgängerlicht mal gut sein kann? Außerdem ist ein gelbes immerhin noch besser als ein schwarz-weiß gestreiftes, oder?! |
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– conny – |
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(August 2007) |
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