Eine dieser Erfolgshürden von schräg unten betrachtet Den folgenden Text möchte ich Gea widmen, der ewigen Kerzen-Erna. Allerdings weniger für ihre handgefertigten Recyclingkerzen als vielmehr für ihre optimistischen Hoffnungskerzen. Tut mir leid, dass diese hier ausgeleuchtet hat. Kürzlich hat Gea ihrem Herzen Luft gemacht und enttäuscht in Richtung Mac geseufzt, nachdem ich ihre zuvor gestellte Frage strikt verneinen musste. Wir waren gerade im Fleißige-Bienen-Modus und bearbeiteten emsig alle aktuellen Bereiche rund um unsere Homepage. Dabei war Gea auf inaktive aber noch immer vorhandene Texttitel gestoßen und hatte prompt „Sag’ mal, wirst du den Schminktext eigentlich noch schreiben?“ gefragt. | ||
Was sie da genau meinte, war eine ungemein amüsante Kindheitsanekdote aus deutsch-demokratischen Republikzeiten, die den treffenden Titel „Nicht alles, was auf der Straße liegt, ist Schminke“ trug. Ganz am Anfang, als wir unserer Homepage noch mehr Gestalt zu geben hatten, grübelten wir über mögliche Titel für die Textrubrik. Während ich noch etwas auf der Ideen-Leitung stand, benahm sich Gea vollkommen pragmatisch und verkündete: „Was wir brauchen sind Erinnerungen an bekloppte Ereignisse, und die schreiben wir dann auf. Ein bisschen so wie es Astrid Lindgren gemacht hat, verstehst du?“ Das klang in meinen Ohren natürlich wie ein Masterplan der Güteklasse A.
Nachdem sie ein oder zwei verwertbare Titel aus ihrer Vergangenheit eingetippt hatte, war ich an der Reihe. Ich erinnerte mich an Anekdoten, die ich bereits mit großem Erfolg im Freundeskreis erzählt hatte. Also nahm ich meinen imaginären Lorbeerkranz vom Kopf, riss ein Blatt ab und begann mit dem Verlesen: „Tango ist, wenn man trotzdem tanzt“. Nächstes Blatt. „Das Umstellen eines Schrankes als Akt der Emanzipation“, und natürlich der bereits oben genannte Titel. |
![]() Conny: "Wie soll ich DAS in Worte fassen?" | |
Während Gea sich angetan gab, steckte ich meine Hoffnung an inneren Schreibantrieb in das mehr als naive Konzept „Haste Titel, haste Text“. Im Grunde schien es auch nicht besonders schwierig zu sein, ein wahres Geschehen niederzuschreiben. Doch die Wochen zogen ins Land und Gea zog immer öfter eine enttäuschte Schnute, da ich sie bei jedem Verlagstreffen aufs Neue vertröstete. Dabei hatte ich es wirklich versucht, immer und immer wieder. Und ich war immer wieder gescheitert. Nie kam ich über den ersten Absatz hinaus, und selbst den konnte ich nur unter Ringen zusammenpuzzeln. Irgendwann spürte ich schon beim Tippen eines Satzes, dass sich auch diesmal der Knoten nicht lösen würde, und so folgte ein dead end dem nächsten. |
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![]() Wesentlich unkomplizierter: Dank Gebissvergrößerung den Titel "Miss Universe" einsacken. |
Irgendwann ging mir dann glücklicherweise endlich ein Licht auf. In just diesem Moment gab ich mir wieder die größte Mühe, den Tangotext in Worte zu packen und verzweifelte an meinem allzu stockenden Vorankommen. Nach einer Weile wurde ich richtiggehend wütend ––– bis ich plötzlich eine innere Stimme vernahm: „Vergiß’ es einfach, okay?! Auf diese Weise wirst du mich nie erzählen!” Meine eigene Vergangenheit gab mir einen Korb: Tango weigerte sich beharrlich, schwarz auf grün zu funktionieren, Schminke blies umgehend in das gleiche Horn und Emanzipation hatte sich eh von Anfang an für zu gut gehalten, um in einer schlichten Textrubrik zu enden. Also schloss ich nach Monaten des vergeblichen Bemühens Frieden mit meinen Lieblingsanekdoten und begann mit den Texten, die Ihr Euch hier nun auf Wunsch zu Gemüte führen könnt. Wie man sehen kann, gibt es doch die ein oder andere Sache, die niedergeschrieben eine ganz gute Figur macht. Und was die rebellischen unter meinen Geschichten angeht: Irgendwann vielleicht, wenn du und ich gerade in einem Pub ausgelassen miteinander schnacken oder in einer gemütlichen Küche gemeinsam etwas Leckeres kochen, dann könnte eine von ihnen ganz unvermittelt auftauchen und erzählt werden wollen. Und das werde ich mit Freuden tun. | |
– conny – |
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(März 2009) |
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